Tirana

Hauptstadt Albaniens

Am nächsten Morgen stelle ich fest, dass ein Frühstück in Albanien doch etwas anders aussieht, als in Deutschland. Anstatt Käse und Wurst, wird hier eine Art Salsa und Salat zum Frühstück gegessen und der Kaffee wird nicht gefiltert.

Nach dem Frühstück erzähle ich dem Hotelmanager von meinem Problem mit den Geldautomaten. Er gibt mir den Tipp es doch mal bei der „Volksbank“ zu probieren und erklärt mir den Weg dorthin. Und tatsächlich funktioniert dort meine Mastercard anstandslos. Allerdings spukt der Automat nur Euro aus und keine albanischen Lek. Aber der Hotelmanager hatte mir bereits erklärt, dass man in Albanien größere Beträge immer auch in Euro bezahlen kann.

Auf meinem Weg zurück zum Hotel, wird mein bisheriger Eindruck erneut bestätigt, dass Shkodra eine recht hässliche Stadt ist.

Zurück im Hotel packe ich meine Sachen auf mein Motorrad und checke aus, obwohl es in Strömen regnet. Da es laut Wetterbericht aber in den nächsten Tagen ebenfalls hier regnen soll, mache ich mich lieber auf in Richtung Süden.

Abgesehen von ein paar Bergen in der Ferne ist der Weg nach Tirana, nicht wirklich sehenswert. Tankstellen gibt es auf jeden Fall genügend unterwegs. Gefühlt alle paar Hundert Meter eine. Und ich fahre plötzlich durch einen seltsamen Ort, der scheinbar das albanische Zentrum der Möbelindustrie ist, da auf 4-5 km ungefähr 40 bis 50 Möbelgeschäfte links und rechts der Straße aufgereiht sind.

Auch der Verkehr ist hier etwas seltsam. Selbst als die Straße schließlich 4-spurig wird und 120 km/h erlaubt sind, fast schon wie eine Autobahn, hält das die Albaner jedoch nicht davon ab, mit dem Eselkarren auf dem Seitenstreifen zu fahren oder mit dem Fahrrad sogar entgegen der Fahrtrichtung unterwegs zu sein.

Doch richtig verrückt wird es, als ich in die Vororte Tiranas komme. Überall auf den Gehwegen links und rechts verkaufen fliegende Händler ihre Waren. Autos parken wo sie wollen, selbst in zweiter und dritter Reihe. Und Verkehrspolizisten fuchteln auf jeder Kreuzung herum um den Verkehr zu leiten, was aber scheinbar niemanden interessiert. Und zwischen drin, tun sich vor einem plötzlich Schlaglöcher auf, die so groß sind, dass man darin gemütlich ein Bad nehmen könnte.

Je näher ich dem Hostel komme, dass ich mir im Internet ausgesucht hatte, umso schlimmer wird der Verkehr. Als ich an eine Kreuzung komme, auf der gerade erst ein Unfall passierte, bricht der Verkehr schließlich völlig zusammen und alle hupen wild durcheinander. Die ganz Ungeduldigen mit dicken Geländewagen überholen auf der Gegenfahrbahn, trotz Gegenverkehr. Wenn sie dann vor dem Gegenverkehr stehen, wird halt so lange gehupt, bis sie wieder auf die normale Spur gelassen werden – in Deutschland undenkbar! Und all das vor den Augen von 5 Polizisten, die versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen, da aber jeder der 5 Polizisten andere Anweisungen gibt, machen sie alles nur noch schlimmer.

In all dem Chaos beginnt auch noch mein Handy alle paar Minuten zu klingeln. Da ich ich jedoch meine Regenjacke und -hose über meinen anderen Sachen an habe, komme ich nicht an mein Handy.

Erst als ich in einer Seitenstraße schließlich mein Hostel erreiche und erneut das Handy klingelt, kann ich ran gehen. Meine besorgten Brüder hatten abwechselnd versucht, mich zu erreichen, da sie scheinbar einen Notruf von mir erhalten haben. Ich versichere, dass es sich um einen Fehlalarm handelt und wie ich später heraus finde, scheint es wohl eine Notruf-Funktion an meinem iPhone zu geben, die meine eingetragenen Notfallkontakte anruft, sobald man den Button an der Seite des Handys für längere Zeit gedrückt hält. Das scheint wohl versehentlich geschehen zu sein, während ich mein Handy in der Tasche hatte. Natürlich schalte ich diese Funktion sofort aus, da das sonst sicher noch öfter passieren könnte.

Im Hostel bekomme ich ein Bett in einem 6-Bett-Zimmer für 8,- Euro pro Nacht inklusive Frühstück und kann sogar mein Motorrad im abgeschlossenen Innenhof abstellen. So hatte ich mir die Preise in Albanien eher vorgestellt.

Zunächst habe ich zwei Mitbewohner. Ein cooler Typ, namens Peter aus London, der seit 2 Jahren um die Welt reist und Irene aus Italien, die jedoch bereits am nächsten Morgen wieder abreist. Nach dem ich im Supermarkt ein paar Lebensmittel eingekauft habe und mich an mein Laptop setze, beziehen zwei weitere neue Gäste ihre Betten. Katelyn aus den Staaten und „KK“ aus Japan, der jedoch leider nur sehr wenig Englisch spricht. Wie sich schnell heraus stellt, verstehen wir uns alles super und so tauschen wir unsere Abenteuergeschichten aus bis tief in die Nacht. Katelyn erzählt, dass sie versucht den Weltrekord zu brechen als Frau in der kürzesten Zeit alle Länder der Welt zu bereisen. 71 Länder hat sie schon hinter sich.  Sie warnt uns auch vor, dass sie im Schlaf oft anfängt zu reden und sogar zu stöhnen, was sich dann später auch prompt bewahrheitet. Stört mich aber nicht sonderlich, da ich bei so vielen Leuten in einem Zimmer ohnehin mit meinen Kopfhörern schlafe. Auch von dem heftigen Gewitter, dass fast die ganze Nacht lang tobt, bekomme ich kaum etwas mit.

Am nächsten Morgen scheint zum Glück endlich wieder die Sonne und wir frühstücken alle zusammen sogar im Freien (außer Irene die bereits abgereist ist). Erneut gibt es das albanische Frühstück, dass ich bereits gestern im Hotel kennen gelernt habe. Später machen sich Katelyn und ich gemeinsam auf den Weg in die Innenstadt. Peter bleibt im Bett, da er seine Erkältung auskurieren möchte.

Leider ist die Innenstadt kaum attraktiver als der Rest der Stadt, den ich bisher gesehen habe. Wäre nicht auf dem großen zentralen Platz gerade ein Weihnachtsmarkt, hätte man den Glockenturm, die Mosche und die paar anderen interessanten Gebäude schnell abfotografiert.

Da die „National Art Gallery“ keinen Eintritt verlangt, schauen wir sie uns an. Abgesehen von einigen Kriegshelden-Gemälden, die an die Propaganda-Kunst des dritten Reiches erinnert, gibt es im Obergeschoss eine moderne Ausstellung von einer Künstlerin die ziemlich verrückte Wandteppiche herstellt und einem Künstler der diverse Kunstinstallationen ausstellt, die aber nicht sonderlich meinen Geschmack treffen.

Schließlich besichtigen wir auch noch das Bunk’Art Museum, das in einem alten, großen Bunker die bewegte Geschichte Albaniens ab dem ersten Weltkrieg aufbereitet.

Die größte und schönste Moschee der Stadt ist leider eine einzige Baustelle und folglich auch geschlossen.

Wir schlendern zurück zum Hostel, wo bereits alle anderen am Mittagessen kochen ist und tun es ihnen gleich. Anschließend versuche ich noch etwas zu arbeiten, werde aber ständig durch meine Mitbewohner unterbrochen, die sehr gesprächig sind.

Als es langsam dunkel wird, brechen Katelyn und ich erneut zum Stadtzentrum auf, da wir beide den Weihnachtsmarkt bei Nacht sehen wollen. Das stellt sich als sehr gute Idee heraus, denn endlich kann ich wenigstens ein paar Fotos schießen, die sich sehen lassen können. Außerdem gönnen wir uns einen leckeren Glühwein.

Zurück im Hostel, kommt die Idee auf, dass wir alle gemeinsam ein Spiel spielen könnten. Katelyn schlägt „Heads Up“ vor, das man gemeinsam mit Hilfe einer Handy-App spielen kann. Dabei wird auf dem Handy, dass sich reih um immer einer vor die Stirn halten muss, ein Begriff angezeigt, dass die anderen erklären müssen und derjenige erraten muss. Das Spiel macht wirklich viel Spass und ich muss feststellen, dass es erstaunlich viele Tiere gibt, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie auf Englisch heißen. Aber ich schlage mich trotzdem ganz gut.

Schließlich erklären wir das Spiel als beendet und ich habe endlich mal Zeit, noch etwas an meinem Laptop zu arbeiten, bevor es Zeit ist, das Licht auszumachen.





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