Qobustan

Schlammvulkane und prähistorische Felszeichnungen

Qobustan ist ein kleiner Ort ca. 40 km südlich von Baku. Ein paar Kilometer außerhalb des Ortes liegt ein Naturschutzgebiet in dem man auf einer Fläche von ca. 100 Quadratkilometern verteilt, tausende prähistorischer Felszeichnungen gefunden hat. Die Felsgravierungen datieren zurück bis ins 12 Jhr. v. Chr. und zeigen vor allem Jagdszenen, Menschen, Schiffe, Sternbilder und Tiere.

Auf dem Weg dorthin, der Küste des Kaspischen Meeres entlang, ist es wieder ziemlich nebelig.
In Qobustan angekommen fahre ich, dem Navi folgend, durch die ungeteerten Straßen des Ortes bis ich plötzlich vor einem hohen Eisenbahn-Damm stehe, der einfach quer über die Straße gebaut wurde - ohne Bahnübergang. 
Als ich einen Jungen mit Zeichensprache frage, wie man da rüber kommt, deutet er weiter in Richtung Süden. Also fahre ich wieder zurück zur Hauptstraße und finde schließlich ganz am Ende des Ortes tatsächlich einen Bahnübergang.

Ich folge der Straße in Richtung der Berge. Nach ein paar Kilometern taucht plötzlich ein relativ modernes Museum und ein großer Parkplatz auf. Es herrscht reges Treiben und duzente Touristen- und Schülergruppen tummeln sich um die Busse und vor dem Museum.
An einem kleinen Häuschen kaufe ich die Eintrittskarte, die so erklärt man mir, sowohl für das Museum als auch den Naturpark gültig ist.

Zunächst schaue ich mir das Museum an, das mich aber eher enttäuscht, da es nur wenige Ausstellungsstücke zu sehen gibt.

Also steige ich wieder auf mein Motorrad und fahre ein paar weitere Kilometer bis zum Parkplatz des eigentlichen Naturparks, wo ebenfalls reges Treiben herrscht.

Ein Gebäude, das hauptsächlich als Aussichtsplattform dient, scheint ein großer Publikumsmagnet zu sein, obwohl ich die Aussicht auf die karge Ebene eher mäßig finde.

Ein Pfad führt schräg an einem flachen Hang entlang, der übersäht ist mit großen Felsbrocken. 

An einzelnen dieser Felsbrocken kann man dann tatsächlich mehr oder wenig deutlich eingeritzte Felszeichnungen entdecken. Hauptsächlich sehe ich Büffel und Hirsch ähnliche Tiere; aber auch menschliche Gestalten.

Als ich schließlich am Ende des Pfades ankomme, bin ich doch etwas überrascht, wie klein der öffentlich zugängliche Teil des Naturschutzgebietes ist. Da ich zuvor gelesen hatte, dass hier über eine Fläche von ca. 100 Quadratkilometer Felszeichnungen gefunden wurden, finde ich die ca. 500 Meter, die man hier besichtigen kann, doch etwas mager.

Da es inzwischen recht heiß geworden ist, gönne ich mir noch schnell ein Eis, bevor ich mich wieder auf mein Motorrad schwinge.

Da ich auf meiner Online-Karte entdeckt habe, dass ca. 12 km südlich von Qobustan einige Schlammvulkane eingezeichnet sind, will ich mein Glück versuchen und fahre zurück zur Hauptstraße und dann Richtung Süden.

An der Stelle wo ich abbiegen muss, stehen ein paar Häuser am Straßenrand und eine ungeteerte Straße führt ins Landesinnere. Zum Glück gibt es sogar eine Art Bahnübergang, an dem ich die Bahntrasse überqueren kann.

Nach ein paar Hundert Metern, nach einem kleinen Industriekomplex, wandelt sich der Weg in eine reine Offroad-Strecke. Je weiter ich fahre, um so unwegsamer wird der Weg und ich beginne zu zweifeln, ob das wirklich eine gute Idee war. Doch ich gebe nicht auf und fahre weiter in Richtung einer flachen Bergkette. Der Weg führt in einem weiten Bogen den Berg hinauf. Hinter der ersten Bergkuppe macht er eine scharfe Kurve und ich stehe plötzlich vor einer beachtlich großen Öl-Pfütze, wo offensichtlich das Erdöl bis an die Oberfläche hevorquillt. Nur ein oder zwei Kilometer entfernt sehe ich ein paar Öltanks und eine Ölförderpumpe am Hang stehen. Der Weg führt um den Öl-Teich und macht dann einen scharfen Knick steil den Berg hoch. 
Vermutlich wäre ich an dieser Stelle umgekehrt, wenn nicht gerade in dem Moment zwei Geländewagen mit Touristen den steilen Abhang hinab geholpert wären, was mich dann doch darin bestärkte, dass es dort oben vermutlich wohl doch etwas zu sehen gibt.
Also schalte ich meine Traktionskontrolle aus, gebe ordentlich Gas und presche den steilen Hang hinauf und hoffe, dass mir niemand entgegen kommt. Oben ankommen macht der Weg erneut einen starken Knick und plötzlich stehe ich auch schon vor einer Ansammlung an kleinen Vulkan ähnlichen Hügeln, zwischen denen einige Geländewagen stehen. 
Ich ärgere mich etwas, dass ich diesen "Aufstieg" nicht filmen konnte, da ich vergessen hatte, die Batterie meiner GoPro-Kamera zu laden.
Ich stelle mein Bike ab und schaue mir, zusammen mit einige anderen Toursiten, die blubbernden Schlammvulkane an, die ich ähnlich schon in Island gesehen hatte.

Nach ein paar Aufnahmen, steige ich wieder auf mein Motorrad und fahre den holprigen Abhang wieder hinunter - nicht ohne mich erneut zu ärgern, dass meine GoPro nicht funktioniert. 

Kurz vor Baku überholt mich ein Pärchen auf zwei großen Bikes. Wie üblich, winken wir uns kurz zu. 
Keine 5 Kilometer später sehe ich die beiden wieder, wie sie am Straßenrand stehen, weil sie von einem Streifenwagen raus gezogen wurden. 

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