Istriens Südspitze

Rovinj

Svetvincenat

Bale

Da die Grippe scheinbar doch noch an mir vorüber gegangen ist und ich mich wieder fit fühle und außerdem die Sonne lacht, sage ich meiner Lieb gewonnen Hütte Lebe wohl und mache mich wieder auf den Weg.

Bei meinem ersten kurzen Fotostop an einem schönen Flußarm, spricht mich ein italienisches Pärchen an und der Ehemann erklärt mir mit Händen und Füßen, dass er gerne sein Auto gegen mein Motorrad tauschen würde. Da er nur einen alten Ford Focus fährt, lehne ich dankend ab und mache mich wieder auf den Weg.

Mein erstes Ziel ist Rovinj, einer kleinen Stadt, die wie gemalt, auf einer kleinen Halbinsel liegt und von einer imposanten Kirche mit 60m hohem Turm überragt wird. Zum Hafen hin stehen dichtgedrängt die Häuser bis unmittelbar ans Wasser. Auf dem Weg zur Kirche St. Euphemia passiere ich enge Kopfsteingassen, bis man auf der anderen Seite plötzlich in einer Art Park steht. Zum Meer hin versteckt sich ein alter Bunker aus dem zweiten Weltkrieg.

Nach meiner ersten Runde durch die Altstadt, beschließe ich meine Drohne vom Motorrad zu holen und anschließend nochmal zu dem Bunker zurück zu gehen und von dort aus einen Flug entlang der Halbinsel zu machen. Kaum starte ich die Drohne wird sie von drei aufgebrachten Möwen angegriffen. Doch zum Glück sind es nur Scheinangriffe und sie drehen jedes mal kurz vorher ab, so dass ich beruhigt weiter fliegen kann. Je weiter ich hinaus aufs Meer fliege, umso weniger interessieren sich die Möwen für meine Drohne und verschwinden schließlich.

Zufrieden mit meinen Drohnenaufnahmen, mache ich mich auf den Weg zurück zu meinem Motorrad. Als ich gerade dabei bin, mich für die Weiterfahrt fertig zu machen, kommen auf ein mal zwei Männer auf mich zu und sprechen mich auf Englisch an. Der Ältere der beiden scheint mein Kennzeichen zu erkennen und fragt, ob ich aus Tübingen komme. Als ich bejahe, erzählt er, dass er Verwandte in Kirchentellinsfuhrt hat und schon oft in Tübingen war. Wie sich weiter heraus stellt, arbeiten beide zufällig für Suzuki und sind ganz begeistert, als ich ihnen erzähle, dass ich vorhabe mit meiner V-Strom die Welt zu umrunden. Der Ältere von beiden gibt mir seine Karte und erklärt, dass er Vertriebsdirektor für Suzuki in ganz Kroatien sei und der Jüngere sei Vertriebsdirektor für Suzuki aus Slowenien. Na, da tausche ich natürlich gerne die Visitenkarten aus, denn wer weis wofür das noch gut ist! Nach dem mir der Ältere gleich zweimal herzlich die Hände schüttelt und mir alles Gute für meine Reise wünscht, mache ich mich wieder auf den Weg.

In dem kleinen Örtchen Bale mache ich einen kurzen Zwischenstop und schlendere durch die völlig menschenleeren Gassen hinauf zur neobarocken Kirche, des San Giuliano aus dem Jahr 1880. Auffällig, wie viele Häuser hier verlassen und völlig verfallen sind. Nach einigen Fotos geht’s wieder weiter.

Nächster Halt ist Pula, die größte Stadt an der istrischen Küste. In dieser hässlichen, lauten und hektischen Industriestadt fühle ich mich sofort unwohl. Einzig für das römische Amphitheater, das direkt am Hafen liegt und einst wohl bis zu 20.000 Zuschauer fassen konnte, mache ich einen kurzen Halt und schaue dann, dass ich so schnell wie möglich wieder aus der Stadt raus komme.

Ich nehme wieder Kurs auf das Hinterland Istriens und fahre zunächst nach Svetvinčenat einem winzigen Nest, in dessem Zentrum eine Burg steht, die aber nicht sonderlich schön ist und natürlich, wie könnte es anders sein, auch geschlossen ist. Auch hier fällt mir auf, wie stark die meisten Gebäude verfallen sind.

Da bereits die Dämmerung herein bricht, muss ich mir langsam Gedanken machen, wo ich heute übernachten soll. Laut meinen diversen Apps ist aber weder ein Hostel noch ein ganzjährig geöffneter Campingplatz in der Nähe. Laut Auskunft eines Einheimischen gibt es in diesem kleinen Kaff noch nicht mal ein Hotel. Also beschließe ich einfach weiter in Richtung meines nächsten Ziels, die Stadt Puzin, zu fahren und unterwegs nach Übernachtungsmöglichkeiten oder geeigneten Stellen zum „wild“ Zelten Ausschau zu halten.

Irgendwo im Nirgendwo entdecke ich einen kleinen Weg, der in einen Wald führt. Ich biege ab und nach einigen hundert Metern, biegt ein kleiner, zugewachsener Feldweg auf eine Lichtung ab. Ich folge ihm, bis zu einem kleinen Acker, neben dem eine kleine Steinhütte – vermutlich ein Unterstand für Schafe – steht. Dort baue ich schnell mein Zelt auf und parke mein Motorad gerade rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit in meinem Zelt ein. Ich wärme mir einen Bohneneintopf auf und mache mir noch einen heissen Tee.

Das größte Problem beim wild Zelten zu dieser Jahreszeit ist: Was macht man, wenn es bereits um 18 Uhr stockdunkel ist und die Handyverbindung zum Surfen nicht reicht?? Ich beschließe, im warmen Schlafsack, mit Hilfe einiger Sprachlern-Apps noch ein bisschen an meinem Spanisch und Persisch zu arbeiten und gehe schließlich früher als sonst schlafen.





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