Im Schneegestöber nach Athen

22. Dezember 2017

Am nächsten Morgen schneit es bei +1 ° Celsius in Delphi noch immer etwas. Laut meiner Wetter-App, soll es am folgenden Tag zwar damit aufhören, aber dafür sollen die Temperaturen dann auf -4° Celsius sinken. Ich habe also die Wahl, ob ich heute noch bei Schneefall und Schneematsch losfahre oder dann morgen riskiere, über vereiste Bergpässe fahren zu müssen. Letzteres erscheint mir eindeutig gefährlicher, also beschließe ich heute noch aufzubrechen.

Schnell packe ich meinen Sachen zusammen und verstaue alles auf meinem Motorrad. Nach dem ich mein Zimmer bezahlt habe, fahre ich los.

Leider stellt sich meine Hoffnung, dass es von Delfi nur noch bergab ins Tal geht, als Trugschluss heraus. Meine Route führt zunächst weiter den Parnass hinauf und entsprechend liegt immer mehr Schnee auf der Straße. In den Serpentinen muss ich zum Teil mein Tempo auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren. In den beiden folgenden Dörfern, herrscht Schnee-Chaos. Die einen ziehen Schneeketten auf, während die anderen, wie ich im Schneckentempo dahin kriechen. Die Fußgänger, die wegen der verschneiten Fußwege lieber auf der Straße laufen, machen die Sache in den engen Gassen nicht eben leichter.

Doch dann geht es zum Glück endlich wieder bergab und schnell geht der Schnee in Schneeregen und schließlich in Regen über und ich kann etwas Gas geben.

Kurz bevor es auf die Autobahn in Richtung Süden geht, lege ich eine kurze Pause an einer Raststätte ein, um meine klammen Finger aufzuwärmen und einen heißen Kaffee zu trinken.

Nach dem ich 2,50 Euro Mautgebühr bezahlt habe, darf ich dann auf der Autobahn in Richtung Athen brausen. Dabei regnet es ununterbrochen und immer wieder geht der Regen auch mal in Schneeregen oder sogar Schneefall über. Zu meiner Verwunderung schneit es an zwei Stellen sogar so stark, dass Schneematsch auf der Autobahn liegt und ich mit deutlich gedrosseltem Tempo zwei Schneepflüge überhole.

50 km vor Athen lege ich eine weitere Kaffee-Pause ein, da meine GoreTex-Handschuhe inzwischen komplett durchnässt sind und meine Finger trotz Griffheizung immer kälter werden.

Kurz vor Athen komme ich an eine weitere Mautstelle und muss weitere 1.50 Euro bezahlen. Da ich dafür wie immer meine Handschuhe ausziehen muss, fahre ich nach der Mautstelle rechts ran, um meine Handschuhe wieder anzuziehen und dabei nicht den Verkehr aufzuhalten. Ein Auto hält neben mir an, ein junger Mann kurbelt das Fenster herunter und macht mit seinem Handy ein Foto von mir und streckt beim Losfahren anerkennend seinen Daumen nach oben. So etwas passiert mir unterwegs immer wieder und jedes Mal freue ich mich darüber, dass mir selbst völlig unbekannte Menschen ihre Anerkennung zeigen.

Schließlich in Athen angekommen, stecke ich erst mal im Mega-Stau fest und so brauche ich für die letzten Kilometer eine halbe Ewigkeit, bis ich endlich an der Adresse ankomme, an der das von mir gebuchte Hotel sein sollte. Doch leider ist dort nirgendwo ein Hotel zu finden. Ich frage in einer Apotheke an der Straßenecke nach und eine der Apothekerinnen erklärt mir, dass das Hotel nun an einer anderen Adresse sei und schreibt mir sogar die Adresse auf. Da hatte ich noch mal Glück!

Also wieder rauf aufs Motorrad und zur neuen Adresse. Zu meiner Freude liegt das Hotel nun in einer winzigen Sackgasse, die von einer kleinen Seitenstraße abzweigt und nicht direkt an der Hauptstraße, wie die alte Adresse. Das gefällt mir schon deutlich besser, zumal ich hier sogar mein Motorrad direkt vor dem Hotel parken kann, ohne groß Gefahr zu laufen, dass es mir gleich geklaut wird.

Wie ich dann jedoch an der Rezeption erfahre, ist das Zimmer, das ich online für 8 Euro pro Nacht gebucht hatte, in einem kleinen Appartement, das doch an der „alten“ Adresse liegt. Und obendrein erklärt er mir, dass dort leider die Heizung nicht funktioniert, aber das geteilte Bad, hätte wenigstens einen funktionierenden Boiler. Alternativ bietet er mir ein Zimmer hier im Hotel für 20 Euro pro Nacht an, inklusive funktionierender Heizung und eigenem Badezimmer. Ich entscheide mich für letzteres, ärgere mich aber über das offensichtliche Lock-Angebot auf booking.com, denn dort war von defekter Heizung keine Rede.

Ich hole meine Sachen vom Motorrad und hänge meine Klamotten zum Trocknen auf. Zum Glück liegt ein Supermarkt direkt um die Ecke, also gehe ich erst mal Einkaufen und ziehe mich dann in mein Zimmer zurück.





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