Die Türme des Schweigens von Yazd

Bevor das Reich der Sassaniden, im heutigen Iran, im Jahr 636 n.Chr. von den Arabern erobert und islamisiert wurde, gehörte die Mehrheit der Perser der Religion des Zoroastrismus an, dessen Begründer Zarathustra war.
Bereits im 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr. breitete sich der Zoroastrismus im gesamten persischen Kulturraum aus. Auch heute gibt es noch ca. 120.000 Zoroastrier im heutigen Iran, Pakistan und Indien.

Die bevorzugte Bestattungsform der Zoroastrier ist die sogenannte Himmelsbestattung. D.h. die Verstorbenen werden auf einen "Turm des Schweigens" (Dachma) gelegt, wo Fleisch und Weichteile von Vögeln, z.B. Geiern und Raben, gefressen werden. Die übriggebliebenen Knochen werden dann in eine Grube in der Mitte des Turms geworfen.
Außer einem Leichenbestatter hatte niemand Zugang zum Dachma. Diesem widerum war es untersagt die Stadt zu betreten, um zu verhindern, dass er eventuell Krankheiten verbreitet.

Der Ursprung dieser Bestattungsform  ist vermutlich auf den Mangel von Brennholz sowie einen harten (oder gefrorenen) Boden zurückzuführen, weshalb sie z.B. auch in Tibet und in der Mongolei verbreitet ist.

Später erfuhr diese Bestattungsform dann i.d.R. auch eine religöse Begründung. So ist den Zoroastriern neben Luft und Wasser auch Erde und Feuer heilig und dürfen also nicht durch den unreinen Leichnam verunreinigt werden, so dass sich Erd- und Feuerbestattung ausschließen.

In den 1970er Jahren wurde die Himmelsbestattung jedoch im Iran verboten, da es gelegentlich vorkam das Vögel Leichenteile über bewohntem Gebiet fallen ließen.

In Yazd im Iran gibt es auch heute noch eine größere Gemeinde von Zoroastriern. 
Etwas außerhalb der Stadt auf zwei Felsgipfeln, kann man heute zwei "Türme des Schweigens" besichtigen.
Vor allem bei Sonnenuntergang kann man auch heute noch spüren, dass dieser Ort eine ganz eigene morbide Vergangenheit hat.

PS: Wer denkt, dass es "barbarisch" oder "unzivilisiert" ist, die Toten von Vögeln fressen zu lassen, der sollte sich mal die Frage stellen, ob es wirklich so viel "zivilisierter" ist, die Toten von Würmern und Maden fressen zu lassen. ;-)

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