Burg Chlemoutsi und zurück nach Athen

Für die letzte Februarwoche habe ich eine Verabredung in Istanbul mit der Koreanerin Sua, die ich über Sylvester in Athen kennengelernt hatte. Wir hatten uns auf Anhieb sehr gut verstanden und als ich ihr dann beim Chatten erzählte, dass ich Ende Februar für einige Zeit in Istanbul sein werde, fragte sie, ob sie mich dort besuchen dürfte. Natürlich teilte ich ihr mit, dass mich das sehr freuen würde und so haben wir uns nun tatsächlich für eine gemeinsame Woche in Istanbul verabredet.
Mein Plan für die nächsten Wochen sieht also so aus: Einige Tage möchte ich auf jedenfall noch in Thessaloniki verbringen. Auf dem Weg dort hin werde ich sinnvoller Weise noch mal einen kurzen Stopp in Athen einlegen, da das eh auf dem Weg liegt. Außerdem möchte ich auch einige Tage vor Sua in Istanbul ankommen, um die Stadt schon ein bisschen auszukundschaften, damit wir dann eine möglichst angenehme Zeit miteinander verbringen können ohne viel Zeit mit Suchen vertrödeln zu müssen.

Mein nächstes Ziel lautet also wieder Athen. Doch noch am Abend zuvor habe ich in einer Broschüre, die ich am Ticketschalter in Olympia erhalten habe entdeckt, dass es hier ganz in der Nähe wohl eine recht stattliche Burg geben muss, keine 30 km entfernt an der Küste, beim Ort Kastro. Also mache ich einen kleinen Umweg dorthin, bevor ich weiter nach Athen fahre.

Ich habe Glück und für ein paar Momente schaut sogar die Sonne hervor, als ich bei der Festung Chlemoutsi ankomme, die auf einem 200m hohen Hügel auf einer Landzunge direkt neben dem Dorf Kastro liegt.
Der Parkplatz ist leer und die beiden Damen am Ticketschalter scheinen auch recht überrascht zu sein, überhaupt jemanden zu Gesicht zu bekommen. Ich bezahle die 3 Euro Eintritt und trete durch das Tor der unteren Festungsmauer. Wie ein Hündchen folgt mir eine der beiden Damen, bei meiner Tour durch die Festung.
Diese wurde zwischen 1220 und 1230 vom französischen Kreuzritter Gottfried I. von Villehardouin zum Schutz des benachbarten Hafens von Glarentza und der Stadt Adréville erbaut und ist heute eine der größten und besterhaltenen Kreuzritterburgen in Griechenland. Besonders die noch sehr gut erhaltenen Hallen der Hauptburg, darunter auch der fast 70m lange und zwei Stockwerke hohe Thronsaal, geben einen sehr guten Eindruck, wie es hier wohl früher einmal ausgesehen haben mag.
In einem kleinen Museumsraum, dass die mich begleitende Dame extra für ich aufschließt, sind einige Gebrauchsgegenstände aus dieser Zeit, wie Waffen, Schlüssel, Schmuck, Pferdegeschirr usw. ausgestellt.
Auf meine Nachfrage, erklärt mir meine Begleiterin, dass der Aufgang zur Burgmauer leider geschlossen sei.
Leider bedeutet dies, dass ich nicht einen einzigen Blick über die Burgmauern hinaus in die Landschaft oder hinaus aufs Meer werfen kann und quasi in den Burgmauern „gefangen“ bin. Schade, denn von dort oben, hätte man sicher schöne Fotos machen können.

Etwas enttäuscht, schlendere ich wieder zurück zum Ausgang und schwinge mich wieder auf mein Motorrad.
Bis nach Athen sind es stolze 490 km, also beschließe ich auch die Autobahn nicht zu meiden, um nicht zu spät in Athen anzukommen.
Mein Navi berechnet mir eine Strecke, die mich fast die ganze Zeit die Küste entlang um die Nordseite der Peloponnes herum führt, da auch dort die Autobahn verläuft.
Leider erweist sich die Strecke von Kastro bis nach Patras als ziemlich öde, da es sich um flaches Küstenland handelt, das kaum Abwechslung zu bieten hat. Ab Patras reichen dann wieder Berge bis ans Meer heran, so dass der zweite Teil der Strecke bis nach Korinth wieder etwas mehr fürs Auge zu bieten hat. Ab Korinth kenne ich mich wieder aus, da ich diese Strecke in umgekehrter Richtung schon mal gefahren bin.
Gegen 16 Uhr stehe ich in Athen wieder vor dem Bedbox Hostel, in dem ich über Weihnachten und Neujahr abgestiegen war und das mir sehr gut gefallen hatte. Leider war eine Buchung übers Internet nicht möglich gewesen, da es angeblich kein freies Bett mehr gibt. Ich will mein Glück trotzdem versuchen, muss aber leider erfahren, dass sich eine größere Gruppe aus Frankreich eingebucht hat und tatsächlich kein freies Bett mehr zu bekommen ist.
Zum Glück hatte ich mir vorab schon ein alternatives Hostel, das City Circus Hostel, dass nur wenige hundert Meter entfernt liegt heraus gesucht. Kurzerhand laufe ich dort hin und frage an der Rezeption nach, ob noch ein freies Bett zu haben ist, was mir bestätigt wird. Also buche ich mich dort für die nächsten 3 Nächte ein, da es in den nächsten beiden Tagen regnen soll.
Anschließend laufe ich zurück und hole mein Motorrad, um mein Gepäck abzuladen. Der Weg zum Hostel ist aber bei den ganzen Einbahnstraßen gar nicht so einfach zu finden, besonders da eine der Straßen auch noch gerade wegen einer Baustelle gesperrt ist.
Doch schließlich stehe ich vor dem Hostel und schleppe meine Koffer und meine beiden Taschen hinauf in mein Zimmer.
Das Zimmer ist ein 8-Bett-Zimmer, wird aber durch einen engen Gang eigentlich in zwei 4-Bett-Zimmer getrennt. Im Bett neben mir liegt eine junge Kanadierin aus Toronto, die wohl am Tag zuvor angereist ist und die ich nach einem netten Gespräch mit ein paar Athen-Tipps versorgen kann.
Als ich ausgepackt habe, mache ich mich auf die Suche nach dem „sicheren“ Parkhaus, dass mir der freundliche junge Mann an der Rezeption empfholen hat und sich ganz begeistert über mein Motorrad erkundigt hat. Tatsächlich finde ich kaum 100 Meter entfernt das Parkhaus und erfahre, dass ein Motorrad 6 Euro pro Tag kostet. Nicht gerade günstig aber für 3 Tage ist es ok. Also hole ich mein Motorrad und parke es dort im Untergeschoss.
Zurück im Hostel stelle ich verblüfft fest, dass ich beim Checkin auch 3 Märkchen fürs Frühstück erhalten habe, obwohl ich nur 17 Euro pro Nacht bezahlt habe. Bei meiner Recherche im Internet war bei diesem Preis eigentlich kein Frühstück inklusive und im Fahrstuhl hängt ein Schild auf dem der Preis fürs Frühstück mit 5 Euro angegeben ist. Entweder das war ein Versehen von dem jungen Mann an der Rezeption oder ich habe da zufällig ein echtes Schnäppchen gemacht. Am nächsten Morgen stellt sich auf jeden Fall heraus, das meine Frühstücksmärkchen gültig sind und ich ein recht üppiges Frühstück mit Rührei, Käse, Brot, Marmelade und griechischem Jughurt serviert bekomme. Das lasse ich mir natürlich gerne gefallen.
Die restlichen beiden Tage verbringe ich hauptsächlich am Laptop um zu arbeiten, da es ganz wie vorhergesagt, draußen tatsächlich in Strömen regnet.
Nur einmal kurz mache ich mich auf zum „Hard Rock Café“ um dort ein paar Souvenirs, genauer gesagt „Kühlschrankmagneten“ zu kaufen, worum mich Sua, die Koreanerin mit der ich mich in Istanbul treffe, gebeten hatte. Sie verkauft solche Dinger anschließend wieder in Korea zum 10-fachen Preis, da die dort wohl begehrte Sammlerobjekte sind. So was muss man ja nicht unbedingt verstehen.





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