Akropolis in Athen

Um 5 Uhr morgens werde ich je aus dem Schlaf gerissen, da erneut jemand eine Tür auf meinem Stockwerk so zuschlägt, dass ich schier aus dem Bett falle, trotz meiner Ohrstöpsel. Es wird definitiv Zeit für meinen Umzug ins BedBox-Hostel. Natürlich erwarte ich nicht, dass es in einem Hostel mit 6-Bett-Zimmer wesentlich ruhiger zugeht und natürlich werde ich auch dort mit meinen Ohrstöpsel schlafen müssen, aber wenigstens ist es in der Regel zwischen 2 Uhr und 6 Uhr morgens einigermaßen ruhig, anders als hier. Und ich denke, an ein Hotel kann man zu Recht auch andere Ansprüche erheben.

Nach dem ich mich also noch 2 Stunden im Bett herum gewälzt habe, packe ich meinen sieben Sachen zusammen und verstaue alles auf meinem Motorrad. So früh morgens ist der Verkehr auch noch einigermaßen erträglich und so bin ich schon nach wenigen Minuten am BedBox-Hostel und beziehe meine neue Unterkunft.

Zu meinem Glück gibt es hier auch einen Laundry-Service, der für Waschen und Trocknen meiner Klamotten zwar 4 Euro verlangt, aber das ist dringend nötig, da es in meinen letzten Unterkünften keine Möglichkeit dafür gab.

Das Hostel ist super modern eingerichtet und wie der Name schon sagt, besteht jedes Bett aus einer geschlossenen „Box“ mit einem Vorhang nur auf einer Seite, so dass man recht viel Privatsphäre hat. Auch die sanitären Anlagen und die Küche sind top eingerichtet und wirken fast wie neu. Gegessen wird in der schönen, großen Lobby in der zwei lange Tische und eine kleine Bar stehen. Donnerstags findet hier sogar eine „Movie Night“ mit kostenlosem Pop Corn und einem Video auf dem Großbildschirm statt. Sonntags und dienstags ist „Game Night“, wo in der Lobby Gesellschaftsspiele gespielt werden. Eine tolle Idee und sicherlich eine gute Gelegenheit neue Freunde aus der ganzen Welt zu finden.

Mein Plan für heute ist, das Kombi-Ticket zu kaufen, das für 30 Euro den Eintritt zu den 7 größten antiken Sites beinhaltet und zumindest einige davon zu besichtigen. Zum Glück ist das Hostel auch wesentlich näher an diesen Sehenswürdigkeiten gelegen, als es das Hotel war, so dass ich bereits nach wenigen Minuten am Eingang der Hadriansbibliothek das Ticket kaufen kann.

Man kann fast den ganzen Grundriss der Hadriansbibliothek mit seinen 100 x 70 Metern Größe sehr deutlich erkennen und Teile der Westfasade sind noch recht gut erhalten. Selbst zwei Lese- und Vortragssäle waren vorhanden. Vermutlich wurden hier bis zu 20.000 Schriftrollen aufbewahrt. Ich staune nicht schlecht und frage mich, wie es wohl  gewesen sein muss, zu dieser Zeit in Athen gelebt zu haben und all diese Dinge noch „in Takt“ gesehen zu haben!?

Als nächstes steht die „Römische Agora“ auf dem Programm, dem 111 Metern langen und 98 Metern breiten Markt- und Versammlungsplatz aus der römischen Zeit. Am Rande der Agora steht der achteckige „Turm der Winde“, der nicht nur auf jeder Seite eine Sonnenuhr sondern im Inneren sogar eine Wasseruhr und auf dem Dach eine Windfahne aufwies und das best erhaltene Gebäude aus der Antike in Athen ist.

Schließlich mache ich mich auf, die Akropolis zu erklimmen. Am Haupteingang stellt sich heraus, dass es eine sehr gute Idee war, das Kombi-Ticket an einer anderen Stelle zu kaufen, da die Schlange vor den Ticketschaltern gut und gerne 100 Meter lang ist. Da ich jedoch mein Ticket schon habe, kann ich an allen vorbei direkt zum Eingang gehen und beginne meinen Aufstieg. Leider wird die gesamte Akropolis von unzähligen Touristen bevölkert, so dass ich mich erneut frage, wie es hier wohl im Sommer zugehen mag. Die gigantische Größe des als Parthenon bekannte Athena-Tempel ist einfach unbeschreiblich! Man kommt sich daneben wie eine kleine Ameise vor! Leider kann man ihn nicht betreten, da er eine einzige Baustelle ist. Wie beeindruckend muss es erst für die Menschen der Antike gewesen sein, diesen riesigen Tempel in komplettem Zustand mit all den Statuen und mit Bemalung betreten zu haben!? Unfassbar!

Als Fotograf ist die Akropolis jedoch eher enttäuschend, da der Parthenon trotz 16mm Brennweite praktisch nie ganz ins Bild passt bzw. nie eine brauchbare Perspektive bietet. Auch die Touristenmassen machen das Fotografieren nicht eben leichter. Einzig der Blick auf die umliegende Stadt ist natürlich super!

Auf der Südseite steige ich wieder hinab, am Dionysustheater vorbei, zum Akropolismuseum. Der Eintritt dort ist in meinem Kombi-Ticket leider nicht enthalten, also muss ich weitere 5 Euro berappen. Im Nachhinein hätte ich mir das Geld jedoch eher sparen sollen, denn abgesehen vom Parthenonfries, das den gesamten oberen Stockwerk einnimmt, gibt es im Vergleich zum „National Archeological Museum“ nur recht wenig zu sehen. Zumal das Erdgeschoss fast keine Ausstellungstücke zeigt und auch das 2. Stockwerk nur aus Restaurants und Videoräumen besteht.

Da mir langsam die Füße wehtun, beschließe ich die weiteren 4 Attraktionen, die in meinem Kombi-Ticket enthalten sind, auf einen anderen Tag zu verschieben. Da es jedoch auf dem Weg liegt, schaue ich noch kurz beim „Gefängnis des Socrates“ vorbei, dass ich auf meiner Karte entdeckt habe. Wie sich dort jedoch heraus stellt, heißen die paar Höhlen, die hier in den Felsen gehauen wurden, nur im Volksmund so und dienten vermutlich eher als Lagerräume, denn als Gefängnis.

Zurück im Hostel lade ich zunächst meine Fotos auf den Laptop und bekomme meine gewaschenen Klamotten zurück, da sie dank Trockner bereits fertig sind.

Während ich in der Küche mir etwas zu Essen mache, spricht mich eine junge Chinesin aus Hongkong an und wir beginnen uns zu unterhalten über unsere Reisen usw. Sie erzählt mir, dass sie gerade erst angekommen sei und noch gar nichts von Athen gesehen hat und am liebsten sofort los ziehen würde. Da es inzwischen nach 19 Uhr und draußen bereits stockdunkel ist, schlage ich vor, dass sie mich hinauf zum Philopapposhügel begleiten könnte, da ich ohnehin noch mal ein paar Fotos vom nächtlichen Athen und von der beleuchteten Akropolis machen möchte. Begeistert willigt sie ein und wir beide ziehen kurz darauf auch schon los. Dank meiner Taschenlampe finde ich auch problemlos den Weg durch den dunklen Park hinauf und meine chinesische Begleitung ist total aus dem Häuschen, beim Anblick der beleuchteten Akropolis. Und sie ist sogar begeistert, dass man über Athen ein paar Sterne sehen kann, da sie erklärt, dass das über Hongkong unmöglich sei, was ich mir gut vorstellen kann.

Unterwegs erfahre ich, dass sie „Human Ressource Management“ studiert hat und erstaunlich offen und kritisch über die chinesische Regierung spricht. Sie erklärt aber auch selber, dass das in Hongkong eine völlig andere Situation ist, da die Hongkong-Chinesen viel mehr Freiheiten genießen und auch ausländische Medien und die sozialen Netze nutzen dürfen, was im Rest des Landes nicht möglich ist.

Wir schlendern noch ein bisschen durch den „Fleamarket“ und schließlich zurück zum Hostel. In der Lobby herrscht bereits reges Treiben und wir werden von den netten Damen an der Rezeption herzlich mit einem Ouzo begrüßt. Wir tauschen noch unsere sozialen Kontaktdaten aus und gehen schließlich schlafen.





Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Go top