Delphi

im Schneeregen

Als ich gestern in Kalabaka losfuhr, regnete es bereits und es waren nur noch 4° Celsius. Entsprechend dick hatte ich mich eingepackt. Da die Felsen von Metéora am Rande des Pindos-Gebirges liegen, erwartet mich nun die riesige thesalische Ebene, die Kornkammer Griechenlandes. Leider bedeutet das, dass die Landschaft topfeben und entsprechend langweilig ist. Überrascht stelle ich fest, dass hier wohl auch recht viel Baumwolle angebaut wird, denn überall entlang der Straße sehe ich kleine Baumwollknäule in den Zweigen hängen und einige Lkws, beladen mit riesigen Baumwollbündel, kommen mir entgegen.

Im Süden der Ebene erheben sich langsam wieder die Berge. Ein Pass führt mich hinauf in das Parnass-Massiv zu meinem Ziel Delphi. Bereits vom Pass aus hat man einen atemberaubenden Blick hinab auf die Bucht von Iteas, die im Golf von Korinth liegt.

In dem winzigen Örtchen Delfi angekommen, steuere ich das von mir gebuchte Hotel an. Das Zimmer ist zwar recht schlicht, aber wenigstens habe ich wieder ein Zimmer für mich alleine.

Nach dem Auspacken, mache ich mich noch auf eine kleine Wanderung, den Berg hinauf über Delfi. Von dort aus kann ich schließlich auch das antike Delphi überblicken, dass ca. 2 km westlich vom heutigen Delfi liegt. Als ich dorthin hinab steige, erfahre ich, dass im Winter dort bereits ab 15 Uhr alles geschlossen hat.

Also gehe ich zurück in mein Hotel und arbeite noch etwas am Laptop.

Am nächsten Morgen stelle ich beim Blick aus dem Fenster fest, dass es in der Nacht offensichtlich ein bisschen geschneit hat, während nun Schneeregen fällt. Nach einer heissen Dusche, verkrieche ich mich trotzdem erst wieder ins Bett um noch etwas zu arbeiten.

Gegen Mittag mache ich mich trotz leichtem Regen schließlich auf, das historische Delphi zu besichtigen. Der Eintritt kostet 6 Euro und beinhaltet auch den Besuch des Museums. Die “heilige Straße” durch das Gelände führt zunächst an den Überresten einigen Schatzhäusern, in denen die Weihgeschenke aufbewahrt wurden, vorbei, von denen das Athener-Schatzhaus rekonstruiert wurde. Schließlich kommt man ungefähr in der Mitte der Anlage zum berühmten Apollon-Tempel, in dem die Pythia ihre Orakelsprüche verkündete.
Dann führt die “heilige Straße” weiter hinauf zu dem Bereich in dem die Pythischen Spiele veranstaltet wurden. Dem nach den Olympischen Spielen zweit wichtigsten panhellenischen Wettkampf. Ursprünglich ein Gesangswettkampf, kamen später auch sportliche und weitere musische Wettkämpfe hinzu. Die musischen Wettkämpfe fanden im Theater, das gleich oberhalb des Apollon-Tempels steht, statt. Die sportlichen Wettkämpfe etwas weiter nordwestlich, noch weiter oben im Stadium.

Beim Stadium bin ich schließlich so hoch, dass der Schneeregen in Schnee übergeht.

Schließlich steige ich wieder hinab und besuche noch das Museum, in dem die zahlreichen Fundstücke von den Ausgrabungen in Delphi ausgestellt werden. Es ist wirklich beeindruckend, zu was man vor mehr als 2.500 Jahren bereits fähig war. Durch ein Modell und zahlreiche Abbildung bekommt man auch einen ungefähren Eindruck, wie Delphi damals ausgesehen haben muss.

Nach einer kleinen gefüllten Pitatasche in einer der kleinen Restaurants, gehe ich zurück in mein Hotel, da der Schneeregen immer stärker wird und arbeite noch etwas am Laptop.

Durch das Fenster sehe ich, dass der Regen schließlich in Schnee übergeht und schon bald liegt eine dicke Schneeschicht auf meinem Motorrad, dass auf der Straße vor meinem Fenster steht.

Sollte es Morgen wirklich weiter schneien, wie meine Wetter-App prophezeit, überlege ich mir, ob ich nicht noch einen Tag länger hier bleibe, denn auf eine Fahrt durchs Gebirge bei Schneefall habe ich keine große Lust.





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