Weihnachten in Athen

Am 24. Dezember stehen zunächst die beiden Museen auf meinem Programm, die ich gestern nicht mehr besuchen konnte.

Kurz vor dem “Byzantinische und Christliche Museum” fällt mir plötzlich ein massives Polizeiaufgebot und eine komplett gesperrte Hauptstraße auf und ich höre Musik. Neugierig geworden laufe ich in Richtung aus der die Musik kommt. Schon von weitem sehe ich eine Militärkapelle, hinter der eine ganze Truppe der Präsidialgarde hinter her marschiert. Ich erinnere mich, etwas vom “Wachwechsel am Grabmal des unbekannten Soldaten” gelesen zu haben, also schaue ich es mir an. Nicht nur die Kleidung der Evzonen, wie die Präsidialgarde genannt wird, sondern auch deren seltsamer Stechschritt ist schon irgendwie lustig und ruft eher ein Schmunzeln als Erfurcht hervor.

Irgendwann wird’s mir dann zu langweilig und ich mache mich wieder auf den Weg zum “Byzantinische und Christliche Museum”, das in der sehr schönen Villa Ilissia untergebracht ist. Ausgestellt werden hauptsächlich Iconen und Gemälde aus der Zeit des 3. Jahrhunderts v. Chr. bis 20. Jahrhundert n. Chr.
Zu meiner Verwunderung bin ich erneut wieder fast der einzige Besucher.

Anschließend besuche ich noch das „Numismatische Museum“. Es zeigt die Herstellung und Verbreitung von Münzen sowie das Zahlungswesen in der griechischen Antike. Darunter auch die Münzen, die der berühmte deutsche Forscher Schliemann in Troja ausgegraben hat.

Wie ich inzwischen erfahren habe, ist die Akropolis am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag geschlossen. Da der Himmel heute jedoch immer noch stark bedeckt ist, verschiebe ich den Besuch der Akropolis auf die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.

Ich mache mich auf den Rückweg ins Hotel und kaufe unterwegs noch ein bisschen ein. Als “Weihnachtsessen” für heute Abend hole ich mir eine Pizza und Pfirsiche und Joghurt als Nachtisch.

Gestern hatte ich mich in der recht großen, griechisch-orthodoxen Kirche, die nur ein paar Straßen von meinem Hotel entfernt liegt, erkundigt, ob und wann es heute eine Weihnachtsmesse geben wird. Ein junger Mann, der dort in der Kirche geputzt hat und leider so gut wie kein Englisch sprach, meinte es gäbe eine um 19 Uhr. Da ich mir schon immer mal eine griechisch-orthodoxe Weihnachtsmesse anschauen wollte, mache ich mich um kurz vor 19 Uhr auf zur Kirche. Als ich dort ankomme, wundere ich mich erstens, dass die Messe schon lange begonnen hat und zweitens, dass die Kirche halb leer ist. Offensichtlich hat mir der junge Mann eine falsche Auskunft gegeben. Mir ist zwar bekannt, dass die meisten orthodoxen Christen Weihnachten nach dem gregorianischen Kalender erst am 7. Januar feiern, aber laut meinen Recherchen im Internet ist die griechisch-orthodoxe Kirche eine Ausnahme, da sie den julianischen Kalender angenommen haben und eigentlich auch am 25./26. Dezember Weihnachten feiern. Aber vielleicht ist das mit dem Heiligabend am 24. Dezember hier anders.

Etwas enttäuscht mache ich mich wieder auf den Rückweg ins Hotel. Nach dem ich meine Brüder angerufen hatte und auch übers Internet noch einige Weihnachtsgrüße verschickt hatte, mache ich es mir im Bett gemütlich und schaue mir einen Film auf dem iPad an.

Am nächsten Tag strahlt endlich die Sonne am wolkenlosen Himmel. Ich mache mich wieder auf in Richtung der Akropolis, um von den umliegenden Bergen ein paar Fotos von ihr zu machen.

Doch vorher mache ich noch einen kleinen Abstecher zu einem Hostel, dass ich dort in der Nähe online gefunden habe, da ich mein Hotelzimmer ja – zum Glück – nur bis zum 27. Dezember gebucht hatte und auf jeden Fall, die Tage bis zum 2. Januar nicht in dem Hotel verbringen möchte, da es sich schon vom ersten Tag an, als ausgesprochen laut heraus gestellt hat. Da nicht nur die Zimmer, sondern auch der Hausflur und die Treppen gefliest und die Zimmertüren recht alt sind, hört man praktisch alles, was in den Fluren und im Treppenhaus vor sich geht. Hinzu kommt, dass hier offenbar nicht nur einige Gäste sondern auch das Personal die Angewohnheit haben, die Türen laut zuzuknallen und das selbst nachts um 3 Uhr noch. Um sieben Uhr morgens wischt dafür dann die Putzfrau mit dem Schrubber die Treppen und Flure so laut, dass man den Eindruck hat, sie würde vor der Zimmertür einen asiatischen Stockkampf aufführen.

Kurz gesagt, ich brauche eine neue Unterkunft für den Zeitraum vom 27. Dezember bis zum 2. Januar. Nach meiner Online-Recherche macht das Bedbox-Hostel einen sehr guten Eindruck und hat Top-Bewertungen erhalten. Da ich aber nicht weiß, ob ich dort auch irgendwo mein Motorrad sicher abstellen kann, suche ich das Hostel auf und frage an der Rezeption nach. Man empfiehlt mir, das Motorrad auf einem der kostenpflichtigen Parkplätze abzustellen, die auch bewacht werden. Eine der Damen von der Rezeption macht sich sogar die Mühe und läuft mit mir zu zwei solchen Parkplätzen, die jedoch beide heute geschlossen haben. Der dritte Parkplatz, den sie mir zeigt, hat zwar geöffnet, nimmt aber leider nur Pkws, aber keine Motorräder.

Da ich das mit den Parkplätzen erst geklärt haben möchte, buche ich noch kein Zimmer, zumal voraussichtlich auch noch genügend Betten frei sein werden. Ich bedanke mich bei der freundlichen Dame von der Rezeption und mache mich wieder auf den Weg. Als ich unterwegs drei Motorrad-Polizisten treffe, frage ich die nach einem geeigneten Parkplatz in der Nähe. Einer der Polizisten gibt mir den Tipp, dass es einige Straßen weiter einen kleinen Platz gibt, unter dem sich eine kostenpflichtige Tiefgarage befindet. Also suche ich den Platz auf und finde auch sofort die Tiefgarage, die jedoch heute ebenfalls geschlossen hat.

Ich wandere entlang dem ebenfalls geschlossenen Akropolis-Gelände hinauf, auf den dahinter liegenden Philopapposhügel, von dem man den besten Blick auf die Akropolis haben soll. Der Weg entlang der Akropolis ist gepflastert von Straßenverkäufern und unzähligen Touristen.

Nicht nur der Blick auf die Akropolis sondern auch auf den Rest der Stadt ist von der Spitze des Philopapposhügel einfach atemberaubend! Zum ersten Mal kann ich von hier oben auch den Hafen und das Meer im Südwesten der Stadt sehen. Dank des Rundblicks wird einem auch klar, wie unfassbar riesig diese Stadt ist. Ein Häusermeer so weit das Auge reicht und das in alle Richtungen! Wirklich schwer beeindruckend!

Auf dem Rückweg zum Hotel führt mich meine Navi-App durch ein Viertel, dass wohl als sozialer Brennpunkt bezeichnet werden kann. In fast jeder dunklen Ecke stehen zwielichtige Gestalten und ich laufe gleich an mehreren Jugendlichen vorbei, die gerade dabei sind, sich Heroin zu spritzen. Ich halte meine Kamera gut fest und mache mich schnell aus dem Staub.

Für den zweiten Weihnachtsfeiertag habe ich geplant, erst spät am Nachmittag wieder zurück auf den Philopapposhügel zu wandern, um von dort Fotos sowohl vom Sonnenuntergang als auch dann von der nächtlich beleuchteten Akropolis zu machen. Also krieche ich nach der morgendlichen Dusche, erst mal wieder zurück ins Bett um am Laptop etwas zu arbeiten.

Gegen 15 Uhr mache ich mich dann wieder auf den Weg. Zunächst mache ich wieder einen Abstecher zu der Tiefgarage, um zu schauen, ob sie heute geöffnet hat, was sich auch bewahrheitet. Ich frage den Herrn am Schalter und er erklärt mir, dass das Parken eines Motorrads in der Tiefgarage 6 Euro pro Tag kosten würde. Da das Bett im Hostel pro Nacht nur 15 Euro kostet, liege ich dann bei 21 Euro pro Nacht, was akzeptabel ist. Also beschließe ich heute noch dort zu reservieren.

Da ich bis zum Sonnenuntergang noch viel Zeit habe, schlendere ich in dem Viertel nahe der Akropolis umher, das ganz auf Touristen ausgerichtet ist und aus unzähligen kleinen Läden und vielen Cafés besteht, durch das sich eine erstaunliche Menge an Touristen langsam vorwärts bewegt. Vielleicht haben ja viele Athener den zweiten Weihnachtsfeiertag für einen kleinen Spaziergang durch diese Viertel genutzt, aber trotzdem frage ich mich, wie es hier erst in den Sommermonaten zugehen mag!?

Wieder oben auf dem Philopapposhügel angekommen, bin ich zunächst enttäuscht, dass die Akropolis im Sonnenuntergang nicht besser aussieht als nachmittags, da man von dieser Perspektive nun fast keine Schatten mehr sieht, so dass sie recht kontrastlos wirkt. Dafür ist jedoch der Blick Richtung Hafen umso späktakulärer, da genau über ihm die Sonne langsam hinter einer Bergkette verschwindet und ein paar Schleierwolken in blutrotes Licht taucht.

Erst als die Sonne ganz verschwunden ist und es schnell dunkler wird, erstrahlt nun auch die Akropolis von Scheinwerfern angestrahlt in voller Pracht.

Nach diesem beeindruckenden Spektakel, gehts wieder zurück zum Hotel. Dieses Mal mache ich jedoch einen großen Bogen um das Viertel mit den Heroin-Junkies.





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