Gjirokastra, Albanien

UNESCO Weltkulturerbe

Da ich gestern an einem dringenden Kundenprojekt arbeiten musste, blieb ich eine weitere Nacht in meinem Hotel. Erst als es Zeit zum Mittagessen war, flitzte ich kurz rüber zum Imbiss auf der anderen Straßenseite und holte mir eine Pizza Salamie für umgerechnet 2,40 Euro. Ansonsten verbrachte ich den ganzen Tag im Bett mit meinem Laptop und arbeitete.
Am Abend erhielt ich eine nette E-Mail von meiner ehemaligen Tanzpartnerin, Claudia, die zur Zeit in Australien ihre Doktorarbeit schreibt, worüber ich mich sehr gefreut habe, da wir schon länger keinen Kontakt mehr hatten. Später haben wir dann sogar noch über Facebook gechattet. Dann war es Zeit fürs Bett.
Ich stehe schon kurz nach 7 Uhr auf, schreibe noch ein paar kurze Mails und packe dann meine Sachen zusammen. Nach dem ich an der Rezeption bezahlt habe, muss ich erst mal mein eingeparktes Motorrad frei manövrieren, bevor ich es beladen kann.

Dann endlich fahre ich los. Mein nächstes Ziel ist Gjirokastra, neben Berat die einzige andere Stadt in Albanien die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.
Leider spielt das Wetter nicht so mit und es fängt immer wieder an leicht zu regnen.
Mein Navi führt mich erst wieder ein Stück zurück, wo ich hergekommen bin und dann auf eine Schnellstraße, die etwas weiter im Südwesten liegt. Bei Fier sehe ich zum ersten Mal, dass es tatsächlich auch ein paar kleine Ölfelder in Albanien gibt. Die großen Öltanks sehen jedoch so verrostet aus, dass ich mich frage, wie viele Umweltkatastrophen es hier wohl schon gegeben hat.

Langsam komme ich den Bergen immer näher und der Wind wird immer stärker. Die Wolken, die über das Gebirge aufsteigen müssen bieten mir ein überwältigendes Schauspiel. Leider nimmt der Wind dabei jedoch auch immer bedrohlichere Ausmaße an. Auf einer längeren Gerade ist der Seitenwind so brutal, dass ich mich mit meinem ganzen Motorrad dagegen lehnen muss, als würde ich mich in eine Kurve legen.

Schließlich komme ich in Gjirokastra an und mache mich auf die Suche nach einem Hotel. Ich sehe ein Schild “Hotel Villa Sharm” und folge ihm. Auf den ersten Blick macht es den Eindruck als würde es über meinem Budge liegen. Trotzdem halte ich an und frage nach den Zimmerpreisen. 25 Euro pro Nacht ohne Frühstück ist zwar tatsächlich mehr, als das Limit von 20 Euro, das ich mir gesetzt hatte. Aber erstens habe ich keine Lust noch länger zu suchen und mein Motorrad würde ich hier auch gut im Hof parken können und als mir die Dame schließlich ein Zimmer mit einem bombastischen Ausblick über die ganze Stadt zeigt, akzeptiere ich und checke ein.

Als ich auspacke bemerke ich, dass dieses Hotel bzw. mein Zimmer zum ersten Mal tatsächlich westlichen Standards entspricht und keine Wünsche offen läst. Selbst die Heizung funktioniert tatellos und macht sogar kaum Geräusche. Anders als die schrecklichen “Air Condition”-Kästen, über die ich mich schon seit Kroatien überall ärgere, da sie mehr Lärm als Wärme produzieren. Das dürfte dann wohl das erste Mal seit Kroatien sein, dass ich morgens nicht frierend unter die Dusche steigen muss.

Trotz einem leichen Nieselregen schnappe ich meine Kamera und mache mich auf, die Burg und die Altstadt zu besichtigen. Wie in Berat gibt es hier zahlreiche Häuser in dem alten albanischen Baustil. Doch anders als in Berat sind sie hier nicht in einem kleinen Viertel “eingesperrt”, sondern am ganzen Hang unter der Burg und noch weit den Berg hinauf verteilt. Das gefällt mir viel besser, da es nicht so wie ein Museum wirkt, sondern noch wirklich lebendig ist.

Die Burg kostet 300 Lek (2,26 Euro) Eintritt, ist aber jeden Cent wert. Zunächst wird man in einer großen Halle von einer recht beachtlichen Sammlung von Kanonen, Mörsern und Flakgeschützen aus dem ersten und zweiten Weltkrieg überrascht. Im Freien hat man dann von den Burgmauern einen atemberaubenden Blick über die Stadt und das ganze Tal. An der Spitze der Burg steht eine kleine Kirche, die jedoch erst im 19. Jahrhundert dort errichtet wurde.
Gerade als ich gehen will, entdecke ich plötzlich, dass unten in der Stadt offensichtlich ein Feuer ausgebrochen ist, denn es steigt eine dicke schwarze Rauchsäule empor und es tönen die Sirenen der Feuerwehr herauf. Doch groß scheint das Feuer nicht zu sein, denn schon nach einigen Minuten wird die Rauchsäule merklich kleiner.
Zurück in den Gemäuern der Burg, fällt mir auf, wie unglaublich hoch die Räume sind, fast schon wie in einer Kirche. Das muss also mal eine wirklich äußerst imposante Burganlage gewesen sein.
Als ich zum Eingangstor hinauslaufe, stehen dort die Dame, die mir das Eintrittsticket verkauft hat und zwei Männer, die vermutlich zum Sicherheitspersonal gehören. Einer der Männer spricht mich auf Albanisch an. Als ich ihm deutlich mache, dass ich leider kein Albanisch verstehe, beginnt die Ticket-Dame ins Englische zu übersetzen. Und sie wollen wissen, ob mir die Burg gefallen hat, woher ich komme, wie lange ich bleibe und in welchem Hotel ich übernachte, usw. Nach einem kleinen Schwätzchen, gibt mir die Dame noch ein paar Tipps mit auf den Weg, was man hier noch besichtigen sollte und ich verabschiede mich dankend.
Auf meinem Weg zum “Diktator-Museum”, wie die Dame es genannt hatte, fängt es jedoch leider immer stärker an zu schütten, so dass ich beschließe, lieber doch zurück ins Hotel zu gehen und auf dem Weg noch ein bischen fürs Abendessen einzukaufen.

Im Hotel muss ich dann feststellen, dass es doch etwas auszusetzen gibt. Das Internet ist leider quälend langsam und man muss sich immer wieder neue einloggen, was ziemlich nervt.





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