Thessaloniki

Mein nächstes Reiseziel lautet Thessaloniki, bevor ich dann weiter nach Istanbul fahre.
Laut Navi beträgt die Strecke von Athen nach Thessaloniki rund 500 km. Ich habe also eine ganzschöne Strecke vor mir und werde daher auch den größten Teil auf der Autobahn fahren, obwohl das natürlich wieder Mautgebühren kostet.
Nach dem Frühstück hole ich also mein Motorrad aus dem Parkhaus und packe mein Gepäck drauf.
Obwohl es nur leicht bewölkt ist, ist es jedoch ziemlich frisch. Ich verlasse Athen dieses Mal in Richtung Norden.
Der erste Teil der Strecke kommt mir noch einigermaßen bekannt vor, da es die selbe Strecke ist, die ich damals bei meiner ersten Anreise nach Athen genommen hatte, nur eben in die andere Richtung. Bei Kastro biege ich jedoch dieses mal weiter nach Norden in Richtung Küste ab. Eine halbe Ewigkeit fahre ich immer entlang der Küste. Bei Almiros schiebt sich dann eine Bergkette zwischen die Autobahn und das Meer und es geht durch eine weitläufige Ebene. Die Olivenhaine werden abgelöst durch Getreidefelder und die Landschaft wirkt längst nicht mehr so einladend.
Schließlich geht es wieder einen lang gezogenen Pass hinauf durch ein enges Tal zurück an die Küste. Die Berge zu meiner Linken rücken mehr und mehr in die Ferne und es geht durch ein schier endlos wirkendes, flaches Küstengebiet, das schließlich am Rand des Axios Delta Nationalpark vorbei führt. Der Nationalpark stellt ein riesiges Feuchtgebiet dar und scheint wohl in erster Linie für Ornitologen und Biologen interessant zu sein, denn außer mehrere Meter hohem Schilf, kann ich – zumindest von der Straße aus – nicht viel Interessantes entdecken.
Die letzten 50 km bis nach Thessaloniki ziehen sich recht quälend dahin, da die Landschaft nicht viel zu bieten hat und inzwischen mein Hintern recht ordentlich weh tut.
Ich hatte mich übers Internet in das „Little Big House“-Hostel eingebucht, das gemäß der Beschreibung im Herzen der Altstadt von Thessaloniki liegt, was sich schließlich auch bewahrheitet. Jedoch hat das auch zur Folge, dass ich durch ein recht abenteuerliches Wirrwar von engen, kurvigen Gässchen navigieren muss. Die letzten paar Hundert Meter stellen sich als eine besondere Herausforderung heraus, da ich dank der unzähligen Einbahnstraßen, zunächst eine extrem steile Gasse mit Kopfsteinpflaster hinab fahren muss, um schließlich nach einer Spitzkehre auf der anderen Seite der Häuserzeile wieder eine ebenso steile, kurvige Gasse mit Kopfsteinpflaster hinauf fahren muss.
Wer meinen Blog verfolgt hat, wird sich vielleicht noch daran erinnern, dass eine ähnliche Kopfsteinpflaster-Gasse zu meinem bisher einzigen Sturz geführt hat. Entsprechend angespannt bin ich, als ich mich vorsichtig die Gasse hinabtaste um anschließend mit schleifender Kupplung und viel Gas (dieses Mal blos nicht abwürgen) auf der anderen Seite wieder hinauf krieche. Doch zum Glück geht alles gut.
Das Hostel hat seine Rezeption und den Frühstücksraum in einem winzigen separaten Häuschen, das vor dem eigentlich Hostel steht und sehr nett eingerichtet ist. Mein Zimmer ist im obersten Stockwerk und natürlich gibt es auch keinen Lift. Also heißt es erst mal mein ganzes Gepäck die 4 Stockwerke hinauf schleppen. Das vermeintliche 4-Bett-Zimmer stellt sich dafür zum Glück als zwei 2-Bett-Zimmer heraus, die sich nur ein Bad und eine kleine Küchenzeile teilen. Da außer mir nur noch ein weiteres Bett belegt ist, habe ich also praktisch sogar ein Zimmer für mich alleine. Wie sich später heraus stellt, ist der andere Gast eine Lehrerin aus Deutschland, die hier ihre Fasnetsferien verbringt.
Als ich an der Rezeption nachfrage, wo ich am besten mein Motorrad parken könnte, verweist mich die sehr nette Dame auf ein brachliegendes Grundstück, dass direkt hinter dem Hostel liegt und auch schon von ein paar Autos als Parkplatz genutzt wird. Also parke ich mein Motorrad dort in der hintersten Ecke und bin ganz zuversichtlich, dass es dort recht sicher abgestellt ist.
Vom Fenster meines Zimmers aus, kann ich nicht nur mein Motorrad sehen, sondern nur ein kleines Gebäude dahinter sogar die Stadtmauer.
Da ich von der Fahrt noch recht k.o. bin, erkundige ich mich nur noch nach dem nächsten Supermarkt, kaufe dort ein paar Lebensmittel ein und koche mir noch ein kleines Abendessen, bevor ich mich ins Bett verkrieche.
Am nächsten Tag ist es leider stark bewölkt und nieselt sogar hin und wieder etwas.
Zunächst genieße ich das kleine Frühstück, dass im Preis meiner Buchung enthalten ist. Die Auswahl ist zwar nicht sehr groß (gekochte Eier, Marmelade, Käse mit Weißbrot und Joghurt), aber dafür ist das Ambiente in dem winzigen Frühstücksraum wirklich sehr angenehm, dank der liebevoll ausgesuchten Einrichtung und den beiden zuvorkommenden Damen an der Rezeption.
Anschließend mache ich trotz des trüben Wetters einen ersten Erkundungsausflug. Zunächst laufe ich den Berg hinauf, zum Trigonion Turm aus dem 15. Jahrhundert, der einst Teil der Stadtmauer war. Von dort aus, hat man einen atemberaubenden Blick über ganz Thessaloniki und er kostet noch nicht mal Eintritt.
Den Weg zur Heptapyrgion-Festung, die noch weiter oben am Hang liegt, spare ich mir für besseres Wetter auf, da ich bereits gelesen habe, dass sie auch Eintritt kostet.
Also mache ich mich auf den Weg hinab in Richtung Uferpromenade.
Auf meinem Weg entdecke ich auch die byzantinische Rotunde des Galerius aus dem Jahr 306 n.Chr. Die Wissenschaftler sind sich nicht ganz einig darüber, wozu der große Kuppelbau ursprünglich diente. Die einen meinen, es war ein Mausoleum und die anderen vermuten, dass es ein Tempel war. Später wurde es auf jeden Fall zur christlichen Kirche und 1590 schließlich zur Moschee umfunktioniert und ein Minarett hinzugefügt. Heute ist es jedoch nur noch ein Museum und wird wohl auch als Veranstaltungsort genutzt.
Im Innern wurden sehr schöne Mosaiken aus der christlichen Zeit freigelegt.
Ganz in der Nähe befinden sich auch die Überreste des Galerius-Bogens, der zusammen mit der Rotunde zu einem großen Komplex gehörte.
Die Uferpromenade von Thessaloniki erstreckt sich schier endlos über viele Kilometer und wird von den Einwohnern gerne zum Spazierengehen, Radfahren oder Joggen genutzt.
Ganz in der Nähe der Uferpromenade befindet sich auch der berühmte „Weiße Turm“, der das Wahrzeichen Thessalonikis darstellt.
Wegen des schlechten Wetters verschiebe ich aber auch hier die Besichtigung auf einen schöneren Tag.
Beim Denkmal des Alexander des Großen, mache ich schließlich wieder Kehrt und mache mich auf den Rückweg.
Den Rest des Tages arbeite ich noch etwas am Laptop.
Am nächsten Tag ist erstaunlicher Weise, keine einzige Wolke mehr am Himmel zu sehen.
Also mache ich mich direkt nach dem Frühstück erneut auf meine nächste Fototour durch die Stadt.

Nach einigen Fotos vom Trigonion Turm, erklimme ich dieses Mal auch die Heptapyrgion-Festung. Die Forscher sind sich auch hier nicht ganz einig darüber, wann die Festung genau erbaut wurde. Die einen meinen, dass Teile davon bereits im 4. Jahrhundert n.Chr. entstanden, andere sind der Ansicht, dass sie erst im 9. Jahrhundert erbaut wurde. Fest steht, dass sie seit der Eroberung der Stadt durch die Türken im Jahr 1431 n.Chr. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Sitz der Osmanischen Garnison war. Von da an, bis 1989 wurde sie als Gefängnis genutzt, u.a. auch für politische Gefangene. Bis heute, wurde der Gefängnis-Character erhalten und als Gedänkstätte und Museum präsentiert, mit Foto-Ausstellung und begehbaren Gefängniszellen. Besonders gehen einem die Zellen für die Isolationshaft tief unter die Haut, da sie im wahrsten Sinne des Wortes, dunkle Löcher ohne jegliches Licht waren. Kaum vorzustellen, wie es gewesen sein muss, dort eingesperrt zu sein.

Leider ist der Zugang hinauf zu den Türmen und den Mauern – aus welchen Gründen auch immer – heute gesperrt. Also bleibt mir der atemberaubende Blick über die ganze Stadt leider verwehrt. Etwas enttäuscht, mache ich mich auf den Weg hinab zur Uferpromenade. Natürlich lasse ich es mir bei dem herrlichen Wetter nicht nehmen, auch mal den „Weißen Turm“ zu besteigen. In den verschiedenen Ebenen des Turminneren werden moderne Installationen, mit zahlreichen Fotos und Videos aus der Geschichte der Stadt gezeigt. Doch das Beste ist natürlich die Aussicht von ganz oben. Nur Schade, dass die Architektur entlang der Uferpromenade nicht wirklich attraktiv ist.
Anschließend mache ich mich über den Umweg, quer durch das Universitätsviertel, wieder auf den Rückweg zum „Little Big House“.

Da es die folgenden beiden Tagen regnet, bleibe ich, abgesehen von kurzen Ausflügen zum Supermarkt, in meinem Zimmer, um zu Arbeiten und meinen Aufenthalt in Istanbul zu planen.

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