In den Bergen über Kotor

Nach dem ich schon um 7 Uhr von einem neuen Mitbewohner geweckt wurde, der um diese unchristliche Zeit eincheckt, gehe ich erst mal duschen und setze mich anschließend an den Laptop und arbeite etwas.

Da ich noch hoch zum Fort und vielleicht auch noch etwas weiter in die Berge hoch steigen will, mache ich mir ein verspätetes Frühstück und breche um kurz nach 11 Uhr zu meiner Wanderung auf.

Erster Stop ist die Kirche „Cskva Gospa od Zdravlja“, die recht fotogen über Kotor thront. Leider versteckt sich die Sonne jedoch hinter einigen Wolken. Ich hoffe, dass ich beim Abstieg mehr Glück habe und dann wieder die Sonne scheint.

Es geht also weiter die steile Treppe hoch zum Fort, das in 260 Meter Höhe liegt und dessen Befestigungsanlagen sich 4,5 km durch den Berg schlängelt. Leider versteckt sich die Sonne immer noch.

Von dort oben kann ich beobachten wie ein großes Kreuzfahrtschiff, die Costa Luminosa, sich durch den engen Fjord zwängt und in den Hafen von Kotor einläuft.

Da es erst 13 Uhr ist, beschließe ich noch weiter den Berg hoch zu steigen, in der Hoffnung von dort oben ein paar gute Fotos vom Fort machen zu können.

Doch um den Berg hochsteigen zu können, muss ich erst wieder ein Stück runter, da das Fort auf einem vorgelagerten Felsen thront. Außerdem muss ich erst mal den „Hinterausgang“ aus dem Fort finden. Wie sich dann heraus stellt, muss man dazu tatsächlich aus einem Fenster der Befestigungsanlage klettern, um dann auf einen kleinen Pfad zu kommen, der zunächst zu einer kleinen Kapelle führt, die dort in der Senke liegt. Von dort führt dann ein Pfad zu einer kleinen Einsiedler-Hütte, die ich schon vom Fort aus gesehen hatte. Ich frage mich, was das für ein Leben sein muss, so weit oben über der Stadt. Die Aussicht ist jedenfalls atemberaubend.

Ca. 100 Meter weiter oben, begegne ich dann tatsächlich einer Kuh, die hier ganz alleine am steilen Hang herum stapft und die Grasbüschel verspeist, die zwischen den Felsen wachsen. Ich vermute mal, sie gehört dem Einsiedler. Wie der das hier oben wohl mit dem Melken macht?

Der Pfad schlängelt sich im Serpentine immer höher und höher. Inzwischen sind meine Klamotten schon ordentlich durchgeschwitzt, zumal sich die Wolken inzwischen verzogen haben und die Sonne auf mich herab brennt. Bin mal gespannt, ob ich hinterher einen Sonnenbrand habe, da ich natürlich keine Sonnencreme dabei habe. Aber wenigstens habe ich meinen Trinkrucksack mit 2 Litern Wasser dabei.

Inzwischen liegt selbst die Festung tief unter mir, als sich der „Gipfel“ langsam abzeichnet. Ich schätze meine Höhe inzwischen auf etwas über 500 Meter, da ich mindestens doppelt so hoch über der Stadt bin, wie das Fort. Als ich schließlich am „Gipfel“ ankomme, erweist sich dieser nur als ein weiterer vorgelagerter Berg, hinter dem es fast noch mal so hoch weiter geht. Der tatsächliche Gipfel ist sogar schneebedeckt. Dafür habe ich natürlich nicht die passende Kleidung dabei und da es inzwischen auch schon 15 Uhr ist, ist an einen weiteren Aufstieg natürlich nicht zu denken, da ich sonst beim Abstieg in die Dunkelheit geraten würde, zumal unten im Tal die Sonne ja viel früher untergeht, als hier oben.

Also genieße ich noch etwas den Ausblick und dabei begegnet mir der erste andere Wanderer, der sich auch gerade an den Abstieg macht. Ich hatte mich schon gewundert, ob ich tatsächlich der einzige Verrückte bin, der hier hoch klettert. Wir unterhalten uns kurz und es stellt sicher heraus, dass es ein Amerikaner aus Massachusetts ist.

Ich lasse ihm einen kleinen Vorsprung und breche dann selber zum Abstieg auf. Wie immer gehts runter zwar schneller, ist aber viel gefährlicher, da man mit so viel Schwung viel eher ins Straucheln gerät und außerdem die Muskulatur schon langsam müde wird. Also heißt es höllisch aufpassen, denn ein verstauchter oder gar gebrochener Fuß wäre hier oben fatal!

Doch ich schaffe es unbeschadet hinab, an der Kuh und dem Aussiedler vorbei. Dort angekommen, beschließe ich wieder durchs Fenster zurück ins Fort zu klettern und die Treppe hinab zu nehmen, obwohl der Pfad auf einer anderen Route auch bis ins Tal führen würde. Da ich aber hoffe, die Kirche noch bei Sonnenlicht zu erreichen, wähle ich den Weg übers Fort.

Waren bei meinem Aufstieg nur ein paar wenige Touristen auf dem Fort und dem Weg dort hin unterwegs, so bin ich überrascht nun ganze Schare von Touristen anzutreffen, was auf der steilen Treppe zu nervigen Staus führt. Vermutlich sind die mit dem Kreuzfahrtschiff gekommen. Und zu allem Übel, muss ich bei der Kirche angekommen feststellen, dass die Sonne hier unten längst untergegangen ist und die Touristen sind den Fotos auch nicht gerade zuträglich. Ich beschließe bei Dunkelheit noch mal wieder zu kommen, um so vielleicht noch ein paar schöne Fotos von der Kirche machen zu können. Also überhole ich die ganzen Menschenschlangen schnellen Schritts und bin kurze Zeit später wieder im Hostel.

Völlig durchgeschwitzt nehme ich erst mal eine Dusche und ziehe mir neue Klamotten an und lade meine Fotos auf meinen Laptop.

Gegen 18 Uhr ist es schließlich richtig dunkel und ich gehe erst mal was Essen in dem kleinen Grill, den ich gestern hier in der Nähe entdeckt habe. Ein Putenschnitzel mit Pommes und Salat für 7,- Euro habe ich mir heute redlich verdient.

Dann mache ich mich, bewaffnet mit Kamera, Stativ und Taschenlampe, wieder an den Aufstieg zu Kirche „Cskva Gospa od Zdravlja“. Oben angekommen, gelingen mir ein paar schöne Fotos, nicht nur von der Kirche sondern auch von dem hell erleuchteten Kreuzfahrtschiff im Hafen.

Wieder unten in der Altstadt, nehme ich meinen Weg über die Stadtmauer um von dort aus auch noch ein paar Bilder von der Costa Luminosa zu machen. Mit 294 Metern Länge ein wirklich beeindruckendes Schiff.

Schließlich gehts ins Hostel an den Laptop.





Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Go top