Shkodra, Albanien

10. Dezember 2017

Als ich morgens losfahre, ist es stark bewölkt, aber nicht sehr kalt. Eigentlich habe ich vor, noch ein Kloster in der Nähe von Kotor zu besichtigen, doch ich verpasse die Abbiegung. Ich überlege ob ich umdrehen soll, doch genau dort, wo ich hätte umdrehen können, steht ein Polizeiwagen und beobachtet den Verkehr, also verkneife ich es mir. Doch das war die letzte Gelegenheit zum Umdrehen, bevor es in einen langen Tunnel geht, der unter dem Berg hindurch geht.

Also beschließe ich meinen Plan zu ändern und direkt weiter Richtung Albanien zu fahren. Wieder an der Mittelmeerküste entlang sieht es im Prinzip genauso aus, wie in Kroatien. Es reiht sich ein Hafenstädchen mit jeder Menge Hotelbunker an das nächste.

Fast an der südlichsten Spitze Montenegros angekommen, will mein Navi plötzlich, dass ich in eine Straße abbiege, die fast wie ein Feldweg aussieht. Also halte ich an und checke auf meinem Handy, wo ich bin. Tatsächlich gäbe es hier eine Art Abkürzung über eine winziges Straße in Richtung Albanische Grenze. Doch ich entscheide mich für die Hauptstraße bis zum südlichsten Ort, Ulcinj von wo die Straße nach Norden zum Grenzübergang führt.

In Kuna lege ich einen kurzen Tankstopp ein. Sofort werde ich von einem Mann auf Deutsch angesprochen, der auch gerade an der gegenüberliegenden Zapfsäule tankt. Er erzählt mir, dass er während des Jugoslawien-Krieges für 3 Jahre in Deutschland als Flüchtling gelebt hat, nach dem Krieg aber wieder abgeschoben wurde. Er will wissen woher ich komme, wohin ich fahre usw. Er hat in den 3 Jahren erstaunlich gut Deutsch gelernt. Nach einem netten Schwätzchen verabschiedet er sich und ich fahre weiter.

Auf der Fahrt nach Norden, komme ich an eine ca. 20km lange Baustelle, wo die Straße mehr oder weniger aus einer nassen Matschpiste besteht, so dass ich höllisch aufpassen muss, mit meinem Motorrad nicht wegzurutschen.

Der Grenzübergang nach Albanien verläuft dann problemlos und zum ersten Mal auf meiner Reise, gibt es auch nur eine Grenzstation, anstatt auf beiden Seiten jeweils eine. Warum kann man das nicht überall so machen?

Sofort nach dem Grenzübergang bemerkt man, dass man sich hier in einem völlig anderen Land befindet. Die Armut ist überall offensichtlich. Die Häuser gleichen eher verfallenen Hütten und an den Straßenrändern versuchen alte Frauen etwas Gemüse zu verkaufen. Entsprechend sind auch die Straßenverhältnisse deutlich schlechter. Was die Albaner jedoch nicht davon abhält, wie die Verrückten zu rasen, trotz Gegenverkehr und Überholverbot zu überholen, wenns passt gerne auch mal rechts. Auch fallen mir zum ersten mal, die berühmt berüchtigten Esel- bzw. Pferdekarren auf, die man ja fast schon klischeehaft mit Albanien verbindet. Das bedeutet jedoch auch, dass ich mich ab jetzt auf platte Reifen wegen Hufnägel gefasst machen muss.

Das erste was ich sehe, als ich schließlich nach Shkodar komme, ist die Burg, die auf einem kleinen Hügel liegt. Während ich weiter in die Stadt hinein fahre, halte ich Ausschau nach einem Hotel, das nicht zu teuer wirkt. Als ich schließlich vor einem kleinen Hotel anhalte, kommt mir sofort der Besitzer entgegen und fragt mich ob ich übernachten möchte und ob ich reserviert habe. Ich frage nach dem Preis und er meint erst 25 Euro inklusive Frühstück, was mir für albanische Verhältnisse recht teuer vorkommt. Schließlich lässt er sich auf 20 Euro runter handeln und ich willige ein. Er zeigt mir, wo ich im Hinterhof mein Motorrad parken kann und ich checke ein. Das Zimmer erweist sich tatsächlich als recht nobel und zum ersten Mal seit ich auf dem Balkan unterwegs bin, habe ich sogar eine Heizung, die nicht einen höllischen Lärm macht, wenn sie läuft. Und da das Bad sogar eine eigene Heizung hat, was auch eine Premiere ist, beschließe ich als erstes nach dem Auspacken ein paar Klamotten zu waschen – was dringend nötig ist – und hänge sie über der Heizung auf.

Da ich langsam auch Hunger bekomme, mache ich mich auf den Weg in die Innenstadt um einen Supermarkt zu finden. Aber vorher muss ich noch Geld abheben, da ich noch kein Geld in der albanischen Währung Lek habe.

Als ich schließlich auf eine große Einkaufstraße einbiege, die sehr belebt ist, fallen mir jede Menge Polizisten auf, die hier in kleinen Gruppen an jeder Ecke stehen. Auf einem kleinen Platz sehe ich sogar schwarze Geländewagen und schwarz gekleidete Männer, die wirken als wären sie von der CIA direkt aus einem der Hollywood-Blockbuster entsprungen. Ein Museum an dem ich vorbei laufe, scheint regelrecht von Polizisten abgeriegelt worden zu sein. Doch etwas neugierig geworden, frage ich einen der jungen Polizisten, was hier los ist und er erklärt mir, dass der slowenische Premierminister zu Besuch sei. Und noch eh ich es mir versehe, läuft auch schon ein ganzer Pulk der CIA-Typen an mir vorbei und in deren Mitte ein paar Herren, von denen vermutlich wohl einer der Premierminister ist.

Ich mache mich weiter auf die Suche nach einem Geldautomaten. Doch zu meiner Überraschung wird nicht nur beim ersten, sondern auch beim zweiten und dritten Geldautomaten sowohl meine Mastercard als auch meine Girocard abgelehnt. Na super! Wie soll ich jetzt an Geld kommen? Was ist, wenn ich wirklich hier nirgendwo Geld abheben kann? Wie soll ich dann mein Hotelzimmer bezahlen?

Völlig frustriert laufe ich zurück zum Hotel.
Da ich immer noch hungrig bin, mache ich mir in meinem Hotelzimmer mithilfe meines kleinen Wasserkochers eine Suppe und einen Tee.

Im Internet lese ich, dass die Bezahlung mit einer Mastercard in Albanien von vielen Stellen akzeptiert wird. Das beruhigt mich dann doch ein wenig.





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