Berat

Unterwegs im Süden Albaniens

Am Morgen heißt es mal wieder die Sachen packen und auf dem Motorrad verstauen. Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von meinen neu gefundenen Freunden und los geht’s.

Wieder quäle ich mich durch den chaotischen Verkehr Tiranas, bis ich schließlich die Großstadt hinter mir habe. Eine kleine, löchrige Landstraße führt mich zunächst zurück in Richtung Mittelmeerküste, weil von dort aus eine „Autobahn“ – falls man das so nennen kann – weiter in Richtung Süden führt.

Obwohl es leicht bewölkt ist, liegt die Temperatur bereits bei 17  Grad und steigt unterwegs sogar noch auf 19 Grad. Genau die Richtige Temperatur zum Motorrad fahren! Nur auf den Landstraßen reiht sich ein Schlagloch ans andere und gleicht so eher einen Offroad-Piste. Auf der „Autobahn“ gehts dann wieder zügiger voran.

Kurz vor meinem Ziel Berat, muss ich eine halbe Ewigkeit einem Schwertransport mit Polizei-Eskorte hinterher tuckern. Selbst die Albaner, die sonst alles und jeden, auch an den unmöglichsten Stellen überholen, fahren brav in einer langen Schlange hinterher.

Als ich schließlich in Berat ankomme, muss ich gestehen, dass ich es mir etwas anders vorgestellt hatte. Bei meinen Internet-Recherchen wurde es als ein sehr ursprünglicher Ort mit Steinhäusern in der alten albanischen Architektur beschrieben.

Nun, für ein kleines Viertel am Hang unter der Burg mag das auch stimmen. Drumherum steht aber eine ganze Kleinstadt mit diesen für Albanien typischen, „modernen“, hässlichen Gebäuden und jeder Menge Verkehr.

Aus irgend einem Grund hatte ich eher ein kleines Bergdorf erwartet.

Ich cruise durch die quirlige Stadt auf der Suche nach einem günstigen Hotel. In einer Seitenstraße halte ich schließlich vor dem Hotel Berati und frage nach den Zimmerpreisen. 15 Euro ohne Frühstück finde ich für ein Einzelzimmer akzeptabel, also checke ich ein. Die Dame von der Rezeption öffnet mir sogar das Tor zu einem Hinterhof, wo ich mein Motorrad sicher parken kann. Das Zimmer stellt sich als recht rustikal heraus, aber immerhin habe ich einen kleinen Balkon, was bei den milden Temperaturen ganz angenehm ist.

Nach dem Auspacken gehe ich erst mal im Supermarkt einkaufen und finde sogar einen kleinen Elektroladen, in dem ich mir endlich den gewünschten 3er-Stecker kaufen kann.

Anschließend mache ich mich mit meiner Kamera auf, ein bisschen das Altstadtviertel zu erkunden. Auf meinem Rückweg entdecke ich einen kleinen Friseurladen, ganz ohne Kunden. Da es schon längst überfällig ist, dass ich mir mal wieder die Haare schneiden lasse, frage ich den Friseur, ob er für mich Zeit hätte, was er natürlich bejaht. Meine Beschreibung, dass ich es wieder richtig kurz haben will, scheint er zwar nicht ganz verstanden zu haben, aber sonst macht er einen ganz guten Job. Als er wissen will, woher ich komme, erzähle ich ihm, dass ich mit dem Motorrad von Deutschland bis hier her gefahren bin, was ihn sehr ins Staunen bringt.
Als er schließlich fertig ist, frage ich nach dem Preis und er deutet auf eine Tafel auf der 150 Lek steht. Das sind umgerechnet gerade mal 1,13 Euro!!! Ich frage noch mal nach, aber er deutet nur wieder auf die 150 Lek. Als ich ihm daraufhin einen 200-Lek-Schein (=1,50 Euro) gebe und sage, dass er den Rest behalten kann, bedankt er sich sehr herzlich bei mir. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich gerade für einen Haarschnitt mit Trinkgeld nur 1,50 Euro bezahlt habe!

Immer noch fassungslos schlendere ich zurück zu meinem Hotel, esse etwas zu Abend und setze mich wieder an meinen Laptop…





Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Go top