Auf nach Korfu, Griechenland

17. Dezember 2017

Früh am Morgen packe ich meine Sachen zusammen, bezahle an der Rezeption meine Rechnung und lade alles auf mein Motorrad.
Bei leichtem Regen fahre ich los. Zunächst geht es durch die vollen Straßen Gjirokastras, doch schnell bin ich raus aus der Stadt auf der Landstraße, wo kaum noch Verkehr ist.
Die Straße führt entlang des kleinen Flusses, der sich hier durch das weite Tal schlängelt und erneut fällt mir auf, wie unglaublich dreckig es in Albanien an vielen Stellen ist. In der Böschung entlang des Flusses hängen Millionen von zerfetzten Plastiktüten, so dass der Fluss fast schon aussieht, als wäre er mit unzähligen kleinen Fahnen festlich geschmückt worden.
Nach einer Weile läßt mich mein Navi von der Hauptstraße abbiegen und es geht eine steile Passstraße hinauf, über die Bergkette, die das Hinterland vom Mittelmeer abgrenzt. Gleich mehrere Schilder mit Hinweisen auf Schneeketten, lassen mich nichts Gutes erahnen, doch meine Sorge ist unbegründet und ich bekomme kein Schnee zu Gesicht.
Auf der anderen Seite der Bergkette, geht es ebenso abenteuerlich bergab, wie zuvor bergauf.
Die Straße schlängelt sich durch einige kleine Dörfer in Richtung Süden. Da ich langsam der Grenze zu Griechenland immer näher komme, halte ich in einem der Dörfer an und kaufe mit meinen restlichen Lek Süßigkeiten, Erdnüsse, Kaffee und etwas Brot. Obwohl ich immer noch einige Lek übrig habe, passt schon mein Einkauf kaum mehr in meine Koffer. Und zu allem Übel fängt es plötzlich wie aus Eimern zu schütten an. Die Albaner springen wie Hühner umher und suchen Schutz vor dem Platzregen. Ich setze einfach meinen Helm auf, schwinge mich auf mein Motorrad und fahre weiter.
Nach einer Weile komme ich auf eine große, breite Straße, die für albanische Verhältnisse in erstaunlich gutem Zustand ist. Meinem Drang endlich mal wieder das Gas etwas aufzudrehen, muss ich jedoch unterdrücken, da überall Schilder mit der Aufschrift 40 zusehen sind – der Geier weiss warum! Und da in Albanien gerne mal Polizisten am Straßenrand stehen und Verkehrssünder raus winken, will ich lieber nix riskieren.
Kurze Zeit später komme ich schließlich an die Grenze. Der albanische Grenzbeamte will meinen Pass und meinen Fahrzeugschein sehen und winkt mich dann durch.
Auf der griechischen Seite, läuft es etwas seltsam ab. Man muss sein Fahrzeug abstellen und zu einem Schalter laufen, um dort seinen Pass vorzuzeigen. Die Frage der Zollbeamtin, ob ich nach Griechenland will, finde ich doch etwas merkwürdig – aber vielleicht war es auch irgend eine Fangfrage, die ich nicht ganz verstanden habe. Zumindest bekomme ich meinen Pass zurück und darf weiter fahren, als ich die Frage mit „Ja“ beantworte.
Die ersten paar Kilometer sieht es in Griechenland noch genauso aus wie in Albanien, wenn man von den griechischen Schriftzeichen mal absieht. Doch allmählich ändert sich der Baustil etwas, die Straßen werden besser und die Anzeichen von Armut verschwinden und als ich schließlich wieder ans Mittelmeer komme, könnte man fast meinen, ich wäre wieder in Kroatien.
Da ich mit der Fähre rüber auf die Insel Korfu möchte, fahre ich bis zur Hafenstadt Igoumenitsa, von wo die Fähren ablegen.
Als ich im strömenden Regen schließlich im Hafen ankomme, erkundige ich mich nach der nächsten Fähre und erfahre, dass nicht sicher ist, ob heute überhaupt noch eine ablegt, da der Wind zu stark sei.
Als ich wissen will, bis wann das entschieden ist, erklärt mir die Dame, dass die nächste Wettervorhersage in 3 Stunden kommen müsste und man dann erst entscheiden könne. Na super!
Ich überlege, was ich tun soll. Blöderweise hatte ich ausgerechnet für meinen Aufenthalt auf Korfu zum ersten Mal auf meiner Reise im Voraus ein günstiges Apartment gebucht. Da laut booking.com auf der kleinen Insel kaum noch günstige Zimmer zu finden waren, wollte ich kein Risiko eingehen und hatte mir für 18 Euro pro Nacht ein kleines Apartment gemietet, das sehr gute Bewertungen erhalten hatte. Das rächt sich jetzt, da ich bei einer so kurzfristigen Stornierung 30% des Preises trotzdem bezahlen müsste. Also bleibt mir nichts anderes übrig als zu warten. Ich fahre etwas zurück ins Zentrum und schlendere durch die Einkaufsstraßen. Als es plötzlich erneut wie aus Eimern gießt, suche ich Zuflucht in einer kleinen Bar und bestelle einen Cappuccino. Der Barista fragt mich, woher ich komme und als ich „Germany“ antworte, spricht er plötzlich etwas Deutsch mit mir und erzählt, dass er vor 20 Jahren mal für 3 Jahre in Deutschland gelebt hat.
Als der Regen nachlässt und auch die 3 Stunden fast um sind, fahre ich zurück zum Hafen und erkundige mich erneut nach der Fähre. Und tatsächlich fährt heute noch eine Fähre um 16:30 Uhr nach Korfu, also kaufe ich ein Ticket. Nur dumm, dass es bis 16:30 Uhr noch mal 1 1/2 Stunden Wartezeit sind und es außerdem bedeutet, dass ich in Korfu nach Einbruch der Dunkelheit erst gegen 18 Uhr eintreffen werde. Und leider liegt mein gemietetes Apartment auch nicht direkt in der Stadt Korfu, sondern auf der anderen Seite der Insel in Paleokastritsa, so dass ich auch noch die ganze Insel bei Dunkelheit durchqueren muss. Ich rufe kurz meine Vermieterin an und erkläre ihr, dass ich erst gegen 19 Uhr ankommen werde und vereinbare mit ihr, dass ich noch mal anrufe, kurz bevor ich angekommen bin.
Dann heist es rum sitzen und warten, bis es 16:30 Uhr ist. Schließlich taucht die Fähre am Horizont auf und läuft in den Hafen ein. Zu meiner großen Verwunderung, hat die Fähre nur auf der Rückseite eine Ladeklappe, so dass nicht nur die Fähre vor dem Anlegen wenden muss, sondern auch alle Fahrzeuge entweder rückwärts drauf fahren oder auf der Fähre wenden müssen. Für mich ist das kein Problem, aber als Lkw-Fahrer rückwärts auf einer Fähre einparken zu müssen, stelle ich mir nicht gerade lustig vor. Entsprechend lange dauert auch das Beladen. Doch endlich legen wir bei strömendem Regen ab, während es schon langsam dunkel wird. Der Seegang ist recht heftig und das Schiff rollt teilweise so stark hin und her, dass im Parkdeck sämtliche Autos mit Alarmanlage fast während der ganzen Überfahrt laut hupen und blinken. Als wir in Korfu ankommen, regnet es immer noch in Strömen und ist inzwischen stockdunkel. Durch die hell erleuchteten Straßen von Korfu ist das kein Problem, doch je weiter ich mich von der Stadt entferne umso schwieriger wird es, in der Dunkelheit und bei dem Regen noch die Fahrbahn geschweige denn Hindernisse vor mir zu erkennen. Besonders wenn dann noch Gegenverkehr herrscht, sehe ich fast gar nichts mehr. Auf alle Fälle bin ich heil froh, dass ich die beiden Zusatzscheinwerfer an meinen Sturzbügeln montiert habe.
Auf der anderen Seite der Insel angekommen, bewahrheitet sich meine Befürchtung und die letzte Abzweigung zu meinem Apartment führt steil den Berg hinauf. Wie vereinbart halte ich an und rufe meine Vermieterin an. Sie verspricht mir entgegen zu fahren und mich „abzuholen“, damit ich nicht in der Dunkelheit nach dem Haus suchen muss. Und tatsächlich saust einige Minuten später ein kleiner Ford Fiesta heran und meine Vermieterin meint, sie würde kurz umdrehen und ich solle ihr dann folgen. Gesagt getan und sie braust vor mir her den Berg hinauf und um enge Kurven herum als ginge es darum die Rallyweltmeisterschaft zu gewinnen. Ich folge ihr so gut ich kann und bin froh, dass ich wenigstens nicht auf Gegenverkehr achten muss, solange sie voraus fährt. Wie ich erst am nächsten Morgen entdecke, ist es natürlich das letzte Haus ganz oben am Hang.
Glücklich oben angekommen, darf ich zum Glück in ihrem kleinen Hof vor dem Haus parken und muss mein Motorrad nicht an der steilen Straße abstellen. Das Appartment scheint ganz nett zu sein, doch als ich nach dem Wifi-Passwort frage, erklärt mir die Vermieterin, dass das Internet wegen des schlechten Wetters leider nicht funktioniert. Na super! Auf booking.com war das Internet mit „hervorragend“ bewertet worden und jetzt das. Die Bewertung gilt wohl nur für gutes Wetter. Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich das Appartment natürlich nicht gebucht, aber jetzt ist es zu spät.
Also packe ich aus und nutze wenigstens den Rest des Abends, um meine dreckigen Klamotten zu waschen und noch was warmes zu essen.





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