Tiryns, Argos und Mykene

Nach dem Aufstehen und Duschen bin ich gespannt, was mich als Frühstück für 2,50 Euro erwartet, also gehe ich hinab ins Esszimmer neben der Lobby. Der Hotelbesitzer begrüßt mich und meint, dass es ca. 10 Minuten dauert, bis das Frühstück fertig ist, also warte ich.

Er macht mir Eier mit Speck und zwei Würstchen. Dazu bekomme ich etwas Butter, Marmelade und Brot, Kaffee und Orangensaft. Ich lasse es mir schmecken, auch wenn ein englisches Frühstück nicht unbedingt mein Fall ist. Aber für 2,50 Euro kann man nicht meckern.
Erneut bestätigt sich mein Verdacht, dass ich der einzige Gast im Hotel bin, da der Hotelbesitzer extra für mich anfängt zu kochen und auch sonst niemand zum Frühstück erscheint.

Nach dem Frühstück wasche ich ein paar Klamotten und hänge sie an der Wäscheleine auf, die praktischer Weise auf meinem Balkon gespannt ist.

Dann steht für heute die beiden antiken Städte Tiryns und Mykene, die beide zum UNESCO Welterbe zählen, auf dem Programm.

Da die Sonne scheint und es bereits recht warm ist und laut Wetterbericht sogar bis 19 Grad warm werden soll, ziehe ich nur ein T-Shirt unter meine Sommer-Motorradjacke und lasse meine Jacke und Regenkleidung im Hotelzimmer. So leicht bekleidet, wie schon lange nicht mehr, schwinge ich mich auf mein Motorrad und brause los.

Tiryns ist nur 10km entfernt, also bin ich schon nach wenigen Minuten dort.
Das antike Tiryns wurde vom brühmten deutschen Archäologen Heinrich Schliemann ausgegraben und liegt auf einem gerade mal 30m hohen Kalkfelsen. Der Ort war schon ab der Jungsteinzeit besiedelt. Vom dritten Jahrtausend v. Chr. an gehörte Tiryns zu den wichtigsten Zentren des bronzezeitlichen Europas. Ein paar beeindruckend massive Wände (ca. 2-3 Meter dick) und ein Aufgang sind noch recht gut erhalten bzw. restauriert worden. Ansonsten kann man leider wenig erkennen und man fragt sich, warum eine so bedeutende Stadt an einem so unscheinbaren Ort gebaut wurde.
Da die Anlage auch nicht sonderlich groß ist, bin ich mit der Besichtigung nach ca. 20 Minuten bereits fertig und ich schwinge mich wieder aufs Motorrad.

Eine dicke, dunkle Rauchfahne die weithin sichtbar hinaus aufs Mittelmeer zieht, hatte ich zunächst für einen Brand gehalten. Als ich nun wieder auf die Hauptstraße einbiege, entdecke ich jedoch, dass sie aus zwei hohen Fabrikschloten aufsteigt. Ich ärgere mich, dass so etwas auch heute noch in Europa möglich ist.

Auf meinem Weg nach Mykene fällt mir dann auf einem Berg in der Nähe eine große Befestigungsanlage auf. Kurz entschlossen, ändere ich meinen Plan und steuere direkt darauf zu. Wie sich kurz darauf heraus stellt, handelt es sich dabei um die Burg Larissa, die 240 Meter über der Stadt Argos thront. Obwohl auch ihre Wurzeln bis in die Antike zurück reichen, ist der heute sichtbare Teil überwiegend im 13. Jahrhundert entstanden. Über die Jahrtausende wurde die Burg duzende Male erobert oder verkauft, so dass sie entsprechend oft umgebaut und auch mehrmals vergrößert wurde.

Mein Navi führt mich über eine recht abenteuerliche Serpentine auf der Rückseite der Burg hinauf, bis zu einem kleinen Parkplatz direkt neben der Burg. Ich bin froh, dass mir in keiner der Spitzkehren jemand entgegen kommt, da es sonst hätte recht eng werden können.

Zu meiner Überraschung kostet die Burg keinen Eintritt und außer mir ist nur ein junges Paar mit ihrem Sohn in den Ruinen unterwegs. Als die nach einigen Minuten abziehen, bin ich die ganze restliche Zeit völlig alleine hier oben unterwegs. Die Aussicht ist einfach atemberaubend. Allerdings wird sie erneut von der dicken Rauchfahne getrübt. Inzwischen scheint sich wohl der Wind gedreht zu haben, denn nun wird sie landeinwärts getrieben und eine riesige Fläche nördlich der Fabrik wird in dichten Qualm eingehüllt. Wenn ich ein Anwohner dieser Fabrik wäre, würde ich so lange auf die Barrikaden gehen, bis die entweder Filter in ihre Abgasanlage einbauen oder die Fabrik schließen.

Auf der nordwestlichen Seite der Burg entdecke ich nicht weit entfernt ein Kloster mit einer recht imposant aussehenden griechisch-orthodoxen Kirche. Ich beschließe auch dort noch kurz vorbei zu fahren. Also schwinge ich mich wieder auf mein Motorrad und fahre hin. Leider ist das ganze Kloster von einer hohen Mauer umgeben und das Tor geschlossen.

Mein nächstes Ziel lautet also nun Mykene, das weiter nördlich am Rand des Tals liegt. Nach einigen Minuten bin ich auch dort angekommen. Hier sind erstaunlich viele Touristen unterwegs. An der Kasse muss ich 4 Euro Eintritt bezahlen und erfahre, dass die ganze Anlage und das Museum um 15 Uhr schließen. Da es bereits 14 Uhr ist, muss ich mich also etwas beeilen. Strammen Schrittes, laufe ich zunächst durch das sehr beeindruckende Löwen-Tor, dessen beide Löwen die einzigen monumentalen Skulpturen aus der Bronze Zeit sind, die man bisher gefunden hat.  Ich laufe durch die große Anlage immer weiter hinauf. Oben angekommen hat man wieder einen herrlichen Blick über das ganze Tal und die umliegenden Berge. Von hier aus überschaute und kontrollierte man damals den Landweg zwischen der südlichen Peloponnes und dem Isthmus von Korinth. Mykene war in vorklassischer Zeit daher eine der bedeutendsten Städte Griechenlands, nach ihr wurde entsprechend die mykenische Kultur benannt.

Schließlich statte ich auch noch dem Museum einen kurzen Besuch ab. Die Ausstellungstücke gleichen größten Teils jedoch denen, die ich bereits in Athen gesehen habe. Also fahre ich mit dem Motorrad wieder ein Stück den Berg hinab zum „Schatzhaus des Atreus“ an dem ich beim Weg hinauf vorbei gefahren war. Da es noch ein paar Minuten vor 15 Uhr ist, darf ich sogar noch hinein.

Beim „Schatzhaus des Atreus“ handelt es sich in Wirklichkeit jedoch um ein unterirdisches, kuppelförmiges Königsgrab (um 1250 v.Chr.). Wer hier wirklich beerdigt wurde ist nicht gesichert. Wegen der wertvollen und umfangreichen Grabbeigaben, wurde irrtümlich bereits seit der Antike angenommen, dass es sich um ein „Schatzhaus“ handeln würde.

Schon der Eingang beeindruckt durch seine riesigen Dimensionen. Das Eingangstor hat eine Höhe von 5,40 m und eine Breite von 2,70 m! Ein steinerner Deckbalken über dem Tor wiegt 120 Tonnen!! Das anschließende Kuppelgrab war über 1.300 Jahre lang die größte Kreiskuppel bis zum Neubau des Pantheons in Rom!

Wenn man sich vorstellt, dass all dies bereits 1.250 Jahr vor Christus errichtet wurde, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus!

Da es inzwischen 15 Uhr ist, schwinge ich mich wieder auf mein Motorrad und fahre zurück zu meinem Hotel.

Dort angekommen, mache ich mir etwas zu Essen, da ich noch nichts zu Mittag gegessen hatte. Ich genieße die letzten Sonnenstrahlen auf dem Balkon, bevor die Sonne hinter dem nahen Berg verschwindet.

Anschließend setze ich mich wieder an meinen Laptop…

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