Nach dem Aufstehen, genieße ich erneut das „englische“ Frühstück, das mir Herr Dimitris zubereitet.
Für heute steht erneut ein UNESCO Welterbe auf dem Programm: Die antike Stadt Epidauros, die rund 20 km weiter östlich liegt. Ich schwinge mich auf mein Motorrad und fahre los. Die Straße nach Osten ist größten Teils sehr gut ausgebaut und wirkt schon fast wie eine Schnellstraße, so dass man durchaus den Gasgriff auch gerne mal etwas auf dreht und den warmen Fahrtwind genießt.
Epidauros scheint im Sommer wohl ein beliebtes Touristenziel zu sein, da es vor dem Eingang riesige Parkplätze gibt und selbst heute sind einige Autos und sogar ein Bus zu sehen.
Ich parke mein Motorrad und zahle am Eingang die 8 Euro Eintritt.

Epidauros war in der Antike vor allem eine bedeutende Kult- und Heilstätte, deren Ursprung bis ins 3. Jahrtausend vor Christus zurück reicht. Ab dem 5. Jahrhund v.Chr. entwickelte sich ein Kult um den Göttersohn Asklepios, der hier der Mythologie zu Folge geboren worden sein soll. Da die Überwindung einer Pestepidemie in Athen mit Asklepios in Verbindung gebracht wurde, entwickelte sich Epidauros auch zur Pilgerstätte für Kranke und Verletzte, die hier auf Heilung hofften. Im Abaton legten sich die Kranken zum Schlafen nieder, um dann im Traum durch den Gott Asklepios zu erfahren, welche Heilmethode für sie selbst die geeignetste ist. Von den Priestern wurde der Traum dann gedeutet und die Behandlung vorgenommen.
Die Stadt wurde so ziemlich reich und bedeutend, so dass im 4. Jahrhundert v.Chr. ein großes Theater für bis zu 14.000 Zuschauer und auch ein Sportstadion gebaut wurden.
Vor allem das Theater ist noch sehr gut erhalten und hat eine hervorragende Akkustik, so dass die Touristenführer gerne demonstrieren, dass man eine fallende Münze in der Mitte des Theaters noch auf den letzten Rängen hören kann. Seit den 50er Jahren werden hier auch wieder klassische Dramen aufgeführt.
Die gesamte Anlage ist riesig, so dass die Zeit wie im Flug vorübergeht und ich kurz vor Schließlung um 15 Uhr, mich wieder auf den Heimweg mache.
Den Abend nutze ich noch für einen ausgedehnten Spaziergang durch Toló, zunächst hinab zum Hafen und anschließend den Berg hinauf. Die einzige Straße die auf den Berg führt, endet an einer Müllkippe von wo aus der Müll die unbewohnte Rückseite des Berges hinab gekippt wird. Ironischer Weise hat man von hier oben jedoch den besten Ausblick auf die untergehende Sonne, die nämlich auf der Seite der Müllkippe untergeht.
Nach dem die Sonne untergegangen ist, mache ich mich wieder auf den Rückweg zum Hotel.

Am nächsten Morgen steht Nafplio auf dem Programm. Nach meinem obligatorischen Frühstück, schwinge ich mich wieder auf mein Motorrad fahre ca. 6 km nordwestlich und durch Nafplio direkt hoch zur Festungsanlage, die hoch über der Stadt drohnt.

Nafplio wurde zwar bereits in der Antike gegründet, war jedoch so unbedeutend, dass es im 2. Jahrhundert v. Chr. aufgegeben wurde. Erst in byzantinischer Zeit wurde Nafplio neu gegründet und erlangte wegen seiner strategisch günstigen Lage an Bedeutung. 1211 n.Chr. wurde es von den Venezianern erobert. 1542 kam es unter türkische Herrschaft, wurde jedoch von den Venezianern zurück erobert. 1715 wurde es unter grausamsten Umständen erneut von den Türken erobert, die ein Massaker an der griechischen Zivilbevölkerung und den venezianischen Soldaten verübten.

Im 17. Jahrhundert entstand auf dem Berg Akronauplia eine Bastion, die im Laufe der Zeit mehrfach erweitert und verändert wurde. Später wurde sie dann als Hochsicherheitsgefängnis für Gefangene die zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, genutzt. Noch heute kann man einige Gefangenenzellen und den Hinrichtungsplatz besichtigen.

Vermutlich da heute, am 7. Januar für die orthodoxe Kirche Weihnachten ist, bekomme ich das Eintrittsticket kostenlos in die Hand gedrückt. Zusammen mit etlichen anderen Touristen flaniere ich durch den westlichen Teil der Bastion und besichtige auch die Gefangenenzellen. Von hier oben hat man einen herrlichen Blick über die ganze Stadt, das weite Umland und hinaus auf den Argolischen Golf. An einem kleinen Strand unterhalb des Berges entdecke ich sogar ein paar Tapfere die im Meer schwimmen.
Leider ist jedoch auch wieder die dicke Rauchfahne der beiden Fabriken zu sehen, die mir schon in den vergangenen Tagen so negativ auffielen. Wie ich jetzt erkennen kann, stehen sie direkt am Hafen von Nafplio.

Auf den ersten Blick scheint der mittlere Teil der Bastion, der am höchsten liegt und auch der hintere östliche Teil nicht zugänglich zu sein. Also mache ich mich wieder auf den Weg zum Ausgang. Doch kurz vor dem Ausgang fällt mir eine kleine unbeschilderte Treppe auf, die scheinbar nur auf eine kleine Anhöhe vor der Mauer des westlichen Teils führt. Da ich mir eventuell ein gutes Fotomotiv verspreche steige ich hinauf. Zu meiner Überraschung hört zwar die Treppe bei der Anhöhe auf, doch führt ein kleiner, steiniger Trampelpfad weiter die Mauer entlang. Neugierig wie ich bin, folge ich natürlich dem Pfad und gelange so schließlich auf den mittleren, höchsten Teil der Bastion. Da offensichtlich die meisten Touristen die kleine Treppe vor dem Ausgang für uninteressant halten und daran vorbei laufen, bin ich nun plötzlich völlig alleine. Ein paar Touristen schauen mir von der Mauer des forderen Teils dabei zu, wie ich den mittleren Teil erkunde und fragen sich sicherlich, wie zum Geier ich dort hin gekommen bin. Doch, dass ich hier nicht in einem eigentlich unzugänglichen Bereich unterwegs bin, zeigen die Tafeln, die an interessanten Stellen stehen und erklären, was es hier zu sehen gibt. Als ich etwas weiter im Osten schließlich in einen kleinen, dunklen Raum hinab steige, entdecke ich an dessen Ende einen kleinen Durchgang, der tatsächlich auch noch hinab zum östlichen Teil der Bastion führt. Auch hier wären vermutlich 95% der Touristen einfach vorbei gelaufen bzw. nicht hinab gestiegen.
Mittlerer Weile laufe ich durch eine Anlage, die gut drei mal so groß ist, wie der fordere Teil mit den ganzen Touristen und sehe außer mir niemanden sonst.
Am Ende des östlichen Teils erklärt mir eine Schautafel, dass dies der große Schwachpunkt der Bastion ist, da hier nur eine 3 Meter hohe Mauer die Bastion von der Seite des Bergrückens her beschützt. Dem entsprechend wurde sie auch jedes Mal von hier aus in den diversen Kriegen erobert. So was nennt man dann wohl einen Konstruktionsfehler.
Auch auf meinen Rückweg zum Ausgang begegnet mir keine Menschenseele. Ich muss schmunzeln und kann mein ein „Wenn die wüßten!“ nicht verkneifen.
Ich fahre zurück in mein Hotel und genieße noch etwas die Sonne auf meinem Balkon, bevor ich mich wieder an meinen Laptop setze.





Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Go top