Business in Sparta…

… oder wie man Oliven erntet

Als ich zurück in Sparta bin, lädt mich Dimitri am nächsten Morgen zum Kaffee ein und erzählt mir zunächst mal aus seinem Leben.
Er ist mit seinen Eltern als Kind von Mystra in Griechenland nach Kanada ausgewandert, hat dort die Highschool absolviert und wurde dann zunächst Broker an der Börse. Als sich die Gelegenheit ergab, kaufte er eine Fabrik, die geräucherten Seelachs herstellte. Als die kanadische Regierung aufrief, Ideen zur Verbesserungen des Exports einzureichen, kam Dimitri die Idee zu einer gemeinnützigen Organisation (CEMAC), die eine ganze Reihe von kanadischen Firmen im Ausland vertreten sollte, so dass Interessenten nicht mit vielen, sondern nur mit einer Person verhandeln müssen. Dazu gehören auch Konzepte der Finanzierung, Vermarktung und des Vertriebs. Das Ganze war wohl ein recht großer Erfolg, wie er mir in zahlreichen Zeitungsartikeln bescheinigt und wurde von der kanadischen Regierung finanziert. Als dann schließlich die Finanzierung auslief und inzwischen ein Politikwechsel statt gefunden hatte, wurde das Projekt wieder eingestellt.
Daraufhin ging Dimitri dann nach Kalifornien und arbeitete dort zunächste wieder für eine Bank, in der Immobilienfinanzierung. Als sich die Immobilienabteilung der Bank in eine eigene Firma ausgründete, arbeitete er fortan als Immobilienmakler.
Irgendwann heiratete er dann eine Italienerin und lebte mit ihr 7 Jahre in Italien. Nach seiner Scheidung ging er zurück nach New York.
Da seine Eltern inzwischen über 90 Jahre alt sind und es ihr Wunsch ist, in Griechenland zu sterben und beerdigt zu werden, verlies er gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester Amerika und kam zurück nach Griechenland. In all der Zeit hatte sein Vater das Land, das ihm zwischen Sparta und Mystra gehörte zum Glück nie verkauft, so dass Dimitri sich nun um die Oliven-Bäume kümmert und nach und nach das verwilderte Land wieder nutzbar macht.
Auch als Immobilienmakler ist er hier nun wieder tätig.
Außerdem ist er gerade dabei eine ähnliche Organisation namens SEMAK wie das kanadische CEMAC für Griechenland aufzubauen.
Er bietet mir sogar eine Provision für alle Geschäfte an, die ich ihm nach Deutschland vermittle.

Für all seine Projekte hätte er gerne jeweils eine Website von mir.
Auch ist er von meiner Drohne ganz begeistert und möchte von allen Orten, in denen er Immobilien oder Grundstücke zu verkaufen hat, Luftaufnahmen von mir machen lassen.

Als ich ihm am Abend des darauf folgenden Tages, den ersten Entwurf der Website zum Verkauf seines Olivenöls präsentiere, ist er so begeistert, dass er nicht nur allen möglichen Leuten den Link schickt, sondern in den folgenden Tagen wirklich jedem, dem wir begegnen, die Website auf seinem Handy präsentiert. Und so dauert es nicht lange und ich habe auch noch einen Auftrag von der Olivenöl Genossenschaft in Krokess für eine weitere Website.

In den folgenden Tagen, sieht mein Tagesablauf dann so aus:
Nach dem Aufstehen erst mal mit Dimitri Kaffee trinken. Dann fahren wir in die Orte, in denen er Immobilien zu verkaufen hat um Drohnenaufnahmen zu machen und/oder wir besuchen die Firmen aus seiner SEMAK Gruppe. So komme ich in den Genuß einer exklusiven Besichtigung einer Fruchtsaftfabrik, einer Käserei und mehrerer genossenschaftlicher Olivenöl-Mühlen. Pünktlich um 12 Uhr sind wir dann wieder zurück, da Dimitri mit seinen Eltern und seiner Schwester zu Mittag isst.
Ich brutzle mir selber was in meinem Appartement und mache mich anschließend mit meinem Laptop an die Arbeit und erledige sowohl meine Aufträge aus Deutschland als auch meine neuen Aufträge.
Um 18 Uhr treffe ich mich dann wieder mit Dimitri in seinem Büro und wir arbeiten gemeinsam an unseren Projekten oder diskutieren Ideen. Gegen 21 Uhr gehen wir dann meistens noch in die Stadt, wo mich Dimitri zum Essen / Trinken einlädt.
Wenn wir dann schließlich wieder zurück sind, bin ich leider meist zu müde, um noch meinen Blog zu schreiben, weshalb ich das hiermit nachhole.

Nachmittags geht Dimitri normalerweise seinen eingenen Geschäften nach, aber wenn das Wetter schön ist, geht er meistens hinaus zu den Olivenbäumen seines Vaters um Oliven zu ernten. Als er mich fragt, ob ich nicht Lust hätte mal mitzukommen und bei der Olivenernte zu helfen, zögere ich natürlich nicht lange.
Am nächsten Tag laden Dimitri, ein Helfer und ich einen alten, klapprigen Mitshubishi Transporter, der erst nach gutem Zureden schließlich anspringt, mit Körben und allerlei Erntegerät und hängen hinten noch den „Donkey“ an. „Donkey“ bzw. „Esel“ nennt Dimitri einen kleinen Transportkarren mit eigenem Motor, mit dem man nicht nur das ganze Gerät sondern vor allem auch später die vollen Körbe durch das unwegsame Gelände in den Olivenhainen transportieren kann. „Früher hat man das mit Eselkarren gemacht.“ erklärt mir Dimitri zur Erklärung des Namens „Donkey“.
Nach einer kurzen, rasanten Fahrt in Richtung Mystras, biegen wir in einen Feldweg und holpern durch die schier endlosen Olivenhaine, bis wir schließlich an der richtigen Stelle angekommen sind.
Schnell lerne ich, dass zunächst zwei große Netze unter dem zu erntenten Baum ausgebreitet werden. Dann klettert Dimitri, der immerhin über 60 ist, mit einer Leiter auf den Baum und beginnt die inneren Äste und die Äste die bereits zu hoch gewachsen sind abzusägen. Er erklärt mir, dass die inneren Äste sonst zu wenig Licht abbekämen und keine Oliven tragen würden und so nur unnötig die Energie des Baums verschwenden und zu hoch darf der Baum nicht wachsen, da man sonst nicht mehr an die Oliven heran kommt.
Die anstrengenste Arbeit ist jedoch das Herabschütteln der Oliven mit einer Art rotierender Kralle, die an einer langen Stange befestigt ist und mit Strom aus unserem „Donkey“ angetrieben wird. Um so viele Oliven wie möglich herab zu schütteln muss man mit dieser Kralle rund um den Baum durch alle Äste fahren, was auf Dauer ein ganz schöner Kraftakt ist, da das Ding nicht gerade leicht ist. Zum Glück macht das die meiste Zeit unser Helfer, ein alt gedienter Soldat aus Russland, der inzwischen schon lange in Griechenland lebt.
Meine Arbeit besteht die meiste Zeit darin, die von Dimitri abgesägten Äste mit einer Art großen Gabel zu durchkämmen, um so die Oliven abzustreifen. Die abgesägten und ausgekämmten Äste werden dann jeweils unter den vorherigen Baum abgelegt und später mit einem Häcksler zerkleinert, um so als Dünger zu dienen und wie Dimitri meint, hält das auch die Feuchtigkeit besser im Boden.
Leider verbrennen noch immer viele Olivenbauern diese Äste, obwohl es inzwischen verboten ist und eigentlich aus den besagten Gründen auch gar keinen Sinn ergibt.
Auf diese Weise geht man dann von Baum zu Baum und erntet die Oliven. Zwischendurch werden immer wieder die Netze geleert. Das läuft so ab, dass man zunächst die Netze so anhebt, dass alle Oliven an einer Stelle zusammen kullern. Dann kniet sich die ganze Manschaft um den Haufen Oliven und pflückt von Hand die kleinen Äste heraus, die zwangsweise ebenfalls herab fallen. Schließlich wird der Haufen noch durch ein grobmaschiges Sieb gekippt um so weitere Äste und Blätter heraus zu filtern. Die übrig gebliebenen Oliven werden dann in die Körbe gekippt und auf dem „Donkey“ zum Abtransport gepackt.
Dimitri macht das Ganze nie länger als 4 Stunden pro Tag, da er meint, dass das sonst zu anstrengend und mühsam wird, was ich gut nachvollziehen kann, da ich mich am nächsten Tag vor Muskelkater kaum mehr bewegen kann.
Andere Olivenbauern machen das aber auch 8-10 Stunden am Tag, wobei ich mich frage, wie man das durchhält.

Trotz meines Muskelkaters helfe ich auch am nächsten Tag noch mal bei der Olivenernte, zum einen, weil Dimitri versprochen hat, dass wir anschließend in die Olivenmühle fahren und unser Olivenöl pressen und zum anderen, weil der russische Helfer leider keine Zeit hat zu helfen. Stattdessen organisiert Dimitri noch zwei Schüler und auch seine Schwester kommt mit. So lerne ich also auch seine Schwester kennen, die ausgesprochen nett ist und wir unterhalten uns sehr angenehm.

Da in dem kleinen Mitsubishi-Transporter nur 3 Sitze vorhanden sind, müssen die beiden Schüler am nächsten Tag zwischen den Erntegeräten Platz finden. Dann gehts zu fünft erneut hinaus aufs Feld. Zunächst übernehmen die beiden Schüler die Aufgabe, die gestern der Russe hatte und schütteln die Oliven von den Bäumen (Dimitri hat zwei dieser Elektro-Haken), während Dimitri wieder sägt und seine Schwester und ich die Äste durchkämmen. Schließlich verlassen einen der beiden Schüler seine Kräfte und es ist an mir, die Oliven herab zu schütteln.
Als gegen Abend der letzte Korb gefüllt ist, packen wir alles zusammen und bringen zunächst die Schüler und dann auch Dimitris Schwester nach Hause. Dimitri und ich verstauen dann die Erntegeräte in der Garage und laden stattdessen die vollen Körbe von gestern in den Transporter und fahren damit zur Olivenöl-Mühle. Dort müssen wir zunächst eine ganze Weile warten, bis wir dran sind. Zum Glück gibt es einen kleinen Warteraum in dem scheinbar immer ein Blumenkohl im Topf bruzelt und frisches Brot kostenlos zur Verfügung steht. Mit etwas frischem Olivenöl und Salz über den Blumenkohl lassen wir es uns schmecken. Anschließend wird das restliche Olivenöl natürlich mit dem Brot aufgetunkt, schließlich kann man so was köstliches ja nicht vergeuden.
Als wir schließlich dran sind, kippen wir unsere Körbe in einen großen Trichter. Und wie mir Dimitri zeigt und erklärt, laufen die Oliven zunächst über ein Förderband in eine Art großen Staubsauger, der die restlichen Blätter und Äste absaugt. Dann werden die Oliven gewaschen und schließlich zu einem Brei zerkleinert, der eine ganze Zeit lang in einer Trommel erhitzt wird. Anschließend wird dieser Brei unter großem Druck ausgepresst. Von dem heraus fließenden „Saft“ wird noch das restliche Wasser abgetrennt und übrig bleibt schließlich das reine Olivenöl. Wichtig ist dabei, dass jeder dieser Arbeitsschritte für jeden Olivenbauern streng getrennt durchgeführt wird, da sonst nicht nur die Gefahr besteht, dass man biologisch angebautes Olivenöl, mit nicht biologisch angebautem vermischt, sondern auch große Unterschiede in der Qualität und der frische der Oliven besteht.
So erklärt mir Dimitri, z.B. dass er seine Olivenbäume nicht nur nicht spritzt und auch keinen zugekauften Dünger verwendet, sondern auch nicht künstlich bewässert. Das bewirkt zum einen, dass der Baum gesünder und stärker wird, da er viel tiefere und größere Wurzeln ausbilden muss. Abgesehen von einer kleineren Ernte, werden die Oliven jedoch auch nicht so groß, da sie weniger Wasser einlagern können. Zum Verzehr wäre das zwar ungünstig, für die Olivenöl-Produktion ist das aber von Vorteil, da sie einen wesentlich höheren Ölanteil enthalten.
Auch die frische der geernteten Oliven spielt eine große Rolle. So bringt Dimitri seine geernteten Oliven z.B. spätestens nach zwei Tagen zur Olivenöl-Mühle, auch wenn es dann nur wenige sind. Andere Olivenbauern scheuen jedoch den zusätzlichen Zeitaufwand und warten oft bis zu einer Woche, bis sie genügend geerntet haben, damit es sich rentiert zur Mühle zu fahren. Dabei werden die Oliven oft in großen Säcken übereinander gestapelt gelagert und transportiert, so dass die unteren Oliven bereits matschig sind und längst begonnen haben von Bakterien zersetzt zu werden.
So konnte ich in diesen zwei Tagen wirklich viel über die Olivenernte und die Produktion von wirklich gutem Olivenöl lernen.

Kurz vor meiner geplannten Abreise, fällt mir noch ein, dass es inzwischen Zeit ist, für die erste Auffrischung meiner Hepatitis A+B Impfung. Die erste Spritze bekam ich noch vor dem Aufbruch zu meiner Weltreise. Nun ist es Zeit für die erste Auffrischung. In einem halben Jahr, brauche ich dann noch eine dritte Spritze. Erst dann ist die Impfung wirklich 10 Jahre wirksam. Ich frage also Dimitri, ob er mir helfen könnte, einen Arzt zu finden, der mir die Spritze geben könnte. Zu meiner Verwunderung erklärt mir Dimitri, dass in Griechenland Impfungen grundsätzlich vom Apotheker durchgeführt werden. Er begleitet mich also am nächsten Tag zu einer Apotheke und hilft mir bei der Übersetzung meines Anliegens. Und tatsächlich führt mich daraufhin der Apotheker in ein Hinterzimmer und verabreicht mir die notwendige Spritze und verlangt dafür 40 Euro inklusive Medikament.

Am darauf folgenden Tag bemerke ich abends ein Kratzen im Hals, das zunehmend schlimmer wird, was bei mir normalerweise ein Anzeichen für eine aufkommende Erkältung ist. Doch Dimitri und ich vermuten, dass es sich eventuell um eine Nebenwirkung der Impfung handeln könnte. Nachts kommen dann noch starke Kopfschmerzen und Fieber hinzu. Als schließlich am nächsten Tag, ein Tag vor meiner Abreise, auch noch Schnupfen einsetzt, wird schnell klar, dass es sich wohl doch eher um eine Erkältung handelt. Vermutlich hat die Impfung mein Imunsystem geschwächt, so dass dann die Grippeviren frei Bahn hatten. Aus meiner geplanten Abreise am nächsten Morgen wird also erst mal nichts. Stattdessen verbringe ich weitere drei Tage im Bett.
Als es mir schließlich langsam besser geht und die Wettervorhersage nur noch einen Tag Sonne, dann einen Tag bewölkt und ein ganzes Wochenende Regen vorher sagt, ist das für mich das Zeichen zum Aufbruch, da ich keine Lust habe, bei Regen weiter zu fahren.
Trotz laufender Nase und etwas Husten, verabschiede ich mich schließlich herzlich von Dimitri und setze nach langer Zeit meine Reise schließlich fort.

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